Paläontologie von SW-Deutschland 3.1.5: Hauff! (endlich)

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Nicht wundern: Übersetzungen alter Beiträge zur englischen Version dieses Blogs sind zurückdatiert; ich besitze leider keine Zeitmaschine! Den Texten fehlt daher auch teilweise der Kontext.

Es gibt vermutlich nur wenige Orte auf der Welt, die bei Paläontologen so berühmt sind wie das Museum Hauff, außer richtig große, die ganzen Naturwissenschaften abdeckende Naturkundemuseen. Spontan fällt mir noch Solnhofen ein, aber das ist eine Lagerstätte mit mehreren Museum, und einige der berühmtesten Funde sind heute andernorts untergebracht.

Holzmaden ist ganz ähnlich auch nur ein Museum zu einer riesigen Lagerstätte, und es gibt viele Museen mit exzellenten Fundstücken (und auch vielen davon) aus dieser Fundstelle – aber das Urweltmusem Hauff ist doch ein ganz besonderes unter diesen Museen. Das Erste und Führende, um es zusammenzufassen. Ja, anderswo wird geforscht, und es ist gut möglich, dass die Poseidonienschiefer-Sammlung des Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (SMNS), vielleicht sogar die von Tübingen, die Hauff’sche übertreffen was die pure Anzahl und Stücken und ihre Qualität angeht, aber das Museum Hauff ist das von Bernhard Hauff gegründete – der Bernhard Hauff sen. (ich werde später darauf eingehen, warum der Typ so etwas besonderes war). Dazu kommt, dass es mit gut 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche das größte private Naturkundemuseum in Deutschland ist – und es dreht sich ausschließlich um den Posidonienschiefer!

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Das Hauff’sche Maskottchen auf dem Schild am Eingang hat Kultstatus: ein Steneosaurus bollensis – aber man findet dieses Fossil nicht im Museum Hauff. Das Foto unten habe ich am Treppenhaus der Paläontologischen Forschungs-, Schau- und Lehrsammlung des Fachbereichs Geowissenschaften der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen aufgenommen. Während meines Studiums und der Promotion bin ich täglich daran vorbeigegangen.

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Gattung und Art haben ein ziemliches Chaos hinter sich, man muss nur mal in die Paleobiology Database Seite schielen. Mittlerweile sind jede Menge Taxa zusammengeführt worden und es geht ruhiger zu.

Das Urweltmuseum Fischer, das ich zuvor besprochen habe, ist ganz klar erkennbar als ein Museum eines aktiven Steinbruchunternehmens, auch wenn ein paar zaghafte Versuche gemacht wurden, es ein wenig aufzuhübschen. Das Urweltmuseum Hauff dagegen, trotz praktisch gleichen Ursprungs, ist ein waschechtes Museum, mit durchdachtem pädagogischem Konzept.  Und es ist ganz offensichtlich, dass es eine ganze Stange mehr Geld  gekostet hat, mehr Besucher anzieht, und generell ein anderes Zielpublikum anspricht als das Fischer-Museum, das doch einen gewissen Fokus auf den verkäufliche Fossilien legt. Ein entscheidender Unterschied ist das für den Zweck errichtete Gebäude des Hauff Museums, das auch optisch ansprechend geplant wurde. Mein Paläo-Narrenherz ging schon draussen mit der Schlagzahl hoch, wo ein paar Modelle ausgestellt sind, aber davon später mehr. Heute beginnen wir unseren Rundgang mit den auf den Fenstern am Eingang aufgeklebten Silhouetten – die Sorte Schattenrisse, die man sich normalerweise in Greifvogelform ans Fenster klebt um andere Vögel von einer Kollision mit dem Glas abzuhalten.

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Willkommen im Jurameer! Dieses Museum wird euch alle zeigen, was darin lebt, und auch alles, was hineinfiel!

Nach der Kasse kommt man  sofort in einen großen Raum mit Cafete rechts und mit ……

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(Blickrichtung zurück zum Eingang; I komme ganz gut klar mit rechts und links. Mein Kollege Eric Snively macht gerade eine Nahaufnahme vom Hybodus).

Das Museum Hauff ist voll von Fossilien, aber es gibt auch eine Reihe schön gemachter Lebendmodelle. Oben zu sehen ist eines von

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Hybodus hauffianus,  ein selachiformer Hai. Hybodontiformes kann man leicht an ihren zewi Rückenflossen mit knochigen stacheln vorn dran erkennen. Ein normaler Fund besteht aus Zähnen, den Knochenstacheln und ein paar anderen kleinen Knochen, und (falls es ein Männchen ist) paarigen Greifern. Aber nicht im Posidonienschiefer. Dort findet man jedes kleine Detail, Mageninhalt, manchmal sogar noch Reste des Weichgewebes. Siehe die Flossen direkt hinter dem Kopf dieses unglaublichen Exemplars, das direkt unter dem Lebendmodell ausgestellt ist. Zwei Nahaufnahmen:
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Aber…. dies ist kein Original! Dieses wird am SMNS aufbewahrt; das Urweltmuseum Hauff besitzt nur eine Kopie. Eine hervorragende, aber die Tatsache das zwei absolute Top-Fossis in den Sammlungen zweier großer paläontologischer Forschungsinstitutionen der Gegend liegen zeigt schon ein wenig von dem, was das Hauff besonders auszeichnet: es gab immer eine enge und sehr gute Zusammenarbeit mit örtlichen Wissenschaftlern. So arbeitete Bernhard Hauff sen. zum Beispiel eng mit dem berühmten Stuttgarter Kurator Eberhard Fraas zusammen (der mit dem Gigantosaurus aus Tendaguru).

Weil es ein sehr schönes Modell ist, und weil ich persönlich das lütte Haifutter mag, die Belemniten (deren Rostren man im Magen sehen kann), gibt#s hier noch ein paar weitere Ansichten.

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Die Modelle schweben nicht so einfach in der Luft. Sie sind über einem großen Areal, in dem die Gesteine des Lias ε als rückwärts springende Steinbruch-Wand aufgebaut sind, so dass die Lithologie und typische Fossilien der Schichten sichtbar sind. Die Schichten variieren im Gehalt an Karbonat, wie Regelmäßig die Schichtung ist, und ob es am Boden Leben geben konnte oder nicht. Einige Lagen beinhalten große Mengen an Krebsbauten und werden Seegrasschiefer genannt – alles falsch: weder sind sie Schiefer, noch geht das Muster auf ihnen auf Seegras zurück.

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Insgesamt sind die Schichten regelmäßig geschichtet und grau. Dickere und härtere Schichten enthalten mehr Karbonat, und sind weniger fein geschichtet. Manchmal enthalten sie Kalkkonkretionen, die groß genug sind, um einen ganzen Fisch zu enthalten. Kalkarme Lagen stammen aus Zeiten mit anoxischem (sauerstofffreiem) Bodenniveau, sind fein laminiert (geschichtet) und bieten prima Fossilisationsbedingungen für Weichteile. Im nächsten Beitrag schauen wir uns die Abfolge und die Fossilien etwas detaillierter an.

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About Heinrich Mallison

I'm a dinosaur biomech guy working at the Museum für Naturkunde Berlin.
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