Paläontologie von SW-Deutschland 3.1.17: immer noch nicht durch mit Hauff

This post in English.

So, wir springen jetzt einfach mal mitten rein in eine Reihe von Beiträgen auf der englischen dinosaurpalaeo. Ich werde die nach und nach übersetzen; bis dahin gibt es hier eine Linkliste der bisherigen Beiträge, alle auf Englisch:

Heute gibt’s Zehnfußkrebse.Es ist höchste Zeit, dass ich die verbelibenden Fossilien im Urweltmuseum Hauff abfertige und einen abschließenden beitrag über das Museum als ganzes schreibe, und einen über die gezeigten Lebendmodelle – oh, Moment! Da gibt’s ja noch die Dinosauriermodelle im Außenbereich. Hm, diese Serie scheint sich noch ein wenig zu ziehen.

Egal, hier gibt’s jetzt ein sehr seltenes und sehr schönes Fossil aus dem bockelharten Lias ε II5 zu sehen. Das Vieh is so ca. 20 cm lang, schätze ich, und ein richtig schön typischer Decapode. Ich kann nicht feststellen, ob es ein komplettes Tier ist oder nur eine Exuvie (Häutungshemd) – das bei der Häutung abgestoßene Exoskelett und die Haut eines Arthopoden. Ich tendiere zum ganzen Tier, weil auf dem Schild nichts von einer Exuvie steht. Gattung und Art unbekannt – die Taxonomie der Krebstiere (Crustacea) ist schon schlimm genug, was die heute lebenden angeht, scheint mir. Die deutsche Wikipedia hat sogar eine eigene Seite nur für die Taxnonomie der Höheren Krebse (Malacostraca – Hummer, Krabben, Krill, Garnelen, Asseln, usw.).

Hauff_101

hauff_102

Und das hier ist Uncina posidoniae (PalaeoDB-Eintrag, falls der gerade down ist gibt es auch einen Mirror hier). Es handelt sich hier nur um eine Exuvie. Wie immer führt ein Klick auf die Photos zu einer größeren Version, was den Aufwand immer wert ist! Wer die volle Auflösung will meldet sich bitte per Kommentar, und ich kann die Bilder per Dropbox schicken.

Hier kommen noch zwei Uncina posidoniae, die am besten erhaltene oben, die mit 39 cm Länge größte unten. Ein ziemlicher Klops. Uncina ist insgesamt einigermaßen häufig und dank der sehr gut erhaltenen Fossilien gut bekannt, und so gibt es auch einiges an wissenschaftlicher Literatur dazu (z.B. von G. Schweigert vom SMNS).

hauff_103

hauff_104

Sind die nicht einfach der Hammer? Wie man auf den Fotos sieht  – und wie es jeder Zehnjährige aus der Schule wissen sollte, aber ich will hier erst gar nicht anfangen über das Thema Schule zu reden – haben Hummer, Garnelen und andere Crustaceen einen segmentierten Körper mit Exoskelett. Die einzelnen Segmente können getrennt werden, sowohl an einem verrottenden Kadaver als auch an einer Exuvie. Dann findet man nicht ein perfekt erhaltenes ganzes Tier, sondern es fehlen Teile (wie bei der obersten Uncina, die keinen Carapax hat!, oder man findet eben Einzelteile. Da sie verschiedene Größen haben können sie sogar von Strömungen sortiert werden.

hauff_105

Coleia (sorry, nix auf der de.Wikipedia) – kein einzelner Carapax, sondern gleich 18 auf einem Haufen; die Steinplatte ist so ca. 40×40 cm!

So, jetzt aber wieder zurück zu besser erhaltenen Tieren. Das Liasmeer war die meiste Zeit ein flaches Meer mit anoxischem Boden. Kein Wunder, dass Krebse selten sind. Aber es gibt mehrere lagen mit sogenanntem Seegrasschiefer, in Wirklichkeit mit etwas hellerem Sediment verfüllten Krebsbauten. Leider konnte ich kein schönes Foto online finden. Ich habe keine Ahnung welche Krebse genau die Bauten gegraben haben, aber hier kommt nochmal ein sehr gut erhaltener.

hauff_106

Proeryon giganteum -dieser Coleiide ist ein wenig zu groß um die Seegraschieferbauten gegraben zu haben. Aber er sieht toll aus! Unten kommt Proeryon hartmanni, eine kleinere Art. Dieses Exemplar ist ungewöhnlicherweise von der Rückenseite zu sehen. Fossiliena us dem Posidonienscheifer werden normalerweise von der Unterseite her präpariert, wiel sie im Kontakt mit dem Sediment geschützt war, während die Oberseite vor der Einbettung im Wasser exponiert war. Und Proeryon wird meist in Bauchlage gefunden.

hauff_107

Und nun ist Schluss mit den Krebsen aus dem Urweltmuseum Hauff. Die Stücke sind an zwei Händen abzählbar, aber wenn man ihre Seltenheit bedenkt, sind sie doch eine beeindruckende Show, die wohl von den meisten Besuchern zwischen all dem anderen tollen zeug übersehen wird. Nächstes Mal gibt’s einen Haufen Ammoniten!

About Heinrich Mallison

I'm a dinosaur biomech guy working at the Museum für Naturkunde Berlin.
This entry was posted in Hauff, Holzmaden, rückgratloses Getier (Invertebraten), Reisen. Bookmark the permalink.

One Response to Paläontologie von SW-Deutschland 3.1.17: immer noch nicht durch mit Hauff

  1. Pingback: Palaeontology of SW Germany 3.1.17: failing to finish off Hauff | dinosaurpalaeo

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s