Theropoden-Donnerstag 45: eine Schönheit

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In letzter Zeit gab es eine recht hitzige Debatte über die Federn von Theropoden. Abgesehen von einer neuen Publikation eines BANDiten* und ihrer Zerfleischung ging es dabei um die “die Wissenschaft hat die Dinos ruiniert” Debatte, bei der einige Leute behaupten, dass gefiederte Raubsaurier einfach nicht cool und gefährlich aussehen. Das gab reichlich Gelächter unter denjenigen, die sich ein wenig mit Vögel auskennen, und damit wie “kuschelig” und “nett” diese sind – muss ich schon wieder die Zombie-Meisen erwähnen? Viele lesenswerte Blogbeiträge befassen sich mit dem Thema, ich greife hier einfach mal diesen heraus. Die vor kurzem bekannte gewordenen und total hirnrissige Entscheidung, in der nächsten Jurassic Park Folter die Dinos ledrig und schuppig zu belassen ist nur eine weitere Anekdote in dieser Diskussion, trotz des breiten Presse-Echos (2 Links nach Zufall; nicht böse sein, wenn Dein Blogbeitrag nicht verlinkt ist).

* Hier nochmal, warum ich BANDiten nicht mag (BAND = birds are not dinosaurs)

Aber, was soll’s? Selbst Vögel die “nicht auf der Lauer liegen, nicht bedrohen” sind cool! Und ziemlich einschüchternd – oder wer würde eine Gruppenvergewaltigung mit explosiv ausrollbaren Penissen, die länger als die Körper der Tiere sind, “nett” finden? Absolut nicht cool, finde ich. Aber es ist eine Fortpflanzungsstrategie, die bei Enten ziemlich gut funktioniert. Übrigens sind Tauben auch nicht gerade auf scheuen Sex zu zweit aus.

Also, “cool” – ich finde das aufwändige Federkleid richtig cool, mit all seinen Funktionen, wie den Vogel trocken und warm und in der Luft zu halten. Und es gibt so viele verschiedene Beispiele, wie so etwas aussehen kann, dass es mir richtig schwer fällt, für heute mal eines auszuwählen. Ich nehme einfach mal eine besonders farbenprächtige und schöne Ente.

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Männliche Mandarinente (Aix galericulata).

Ja, berühmt bunt. Aber alle vergessen immer die Weibchen! Bei fast allen Entenarten sind sie viel weniger farbig als die Männchen – ich muss zugeben, dass ich als Student im Kurs “Bestimmungsübungen an Wirbeltiere” nichts so sehr gefürchtet habe wie weibliche Enten! OK, KGVs (kleine grüne Viecher) und KGVs (kleine braune Viecher; beides bezieht sich auf Singvögel) sind auch ziemlich grottig, aber man steht meist nur vor der Wahl zwischen zwei drei Arten. Weibliche Enten? Keine Chance, oft genug richtig zu raten um den Test zu bestehen. Alle braun, und sehen genau gleich aus, zumindest die in Mitteleuropa heimischen. Die Eiderente und einige andere halten sich da zum Glück nicht dran, wie auch die Mandarinente. Für mich ist sie in ihrer Eleganz einfach die schönste weibliche Ente.

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Weibliche Mandarinente (Aix galericulata).

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Also, die große Frage: was ist cooler? Ein eidechsiger Velociraptor, oder einer mit rotbraunem Kopf, blauen Streifen auf den Flügeln und mit weißem Eyeliner? Einer der sich aufplustert und posiert wie ein Model, die Flügel spreizt um bunte Zeichnungen zu enthüllen, wo man zuvor nur grau-braune Tarnfarbe sah?

Wenn ich mir Vögel anschaue, dann ist die Wahl ganz klar: Ich find die gefiederten eindrucksvoller!

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About Heinrich Mallison

I'm a dinosaur biomech guy working at the Museum für Naturkunde Berlin.
This entry was posted in Aves, Dinosauria, Maniraptora, Theropoda. Bookmark the permalink.

5 Responses to Theropoden-Donnerstag 45: eine Schönheit

  1. Pingback: Theropod Thursday 45: a beauty | dinosaurpalaeo

  2. Markus says:

    Ich denke jeder der meint dass Vögel nicht auch cool und blutrünstig aussehen können, sollte sich mal Photos von über und über mit Blut besudelten, Kadaver zerreißenden und Eingeweide verschlingenden Riesensturmvögeln anschauen.

    http://ibc.lynxeds.com/photo/northern-giant-petrel-macronectes-halli/close-adult-full-blood-eating-dead-elephant-seal-pup



    Jetzt stelle man sich mal das gleiche noch mal 2-10 mal größer vor, dazu noch mit Krallen und Zähnen und allem was Theropoden sonst noch so zu bieten hatten. Ist das noch niedlich und harmlos? Ganz bestimmt nicht.
    Man muss sich auch eines immer wieder bewusst machen, auch ein von uns subjektiv als “schön” empfundenes Tier wie etwa ein Tiger oder ein Leopard ist ein großes und potentiell sogar menschenfressendes Raubtier, aber es kommt eben ganz drauf an ob sie als riesige Schmusekatzen oder am Kadaver eines blutigen Beutetieres oder sogar Menschen fressend dargestellt werden. Auch bei Dinosauriern ist das ja nicht anders. Der gleiche größere befiederte Theropode könnte in einer Ansicht ein wunderschöner majestätischer “Riesenadler” sein, und im anderen Moment der blutverschmierte Gedärme aus Bauchhöhlen zerrende Riesensturmvogel. Beides sind ja aber letztendlich nur zwei Ansichten, die nicht für sich alleine betrachtet werden sollten.

  3. Markus says:

    Um die Sache noch mal etwas zu verdeutlichen, verlinke ich hier mal noch ein Video von zwei Riesensturmvögeln die über einen jungen Pinguin herfallen. Das Video ist wirklich nichts für schwache Nerven oder Mägen, und Szenen wie diese in welcher dem noch lebenden und zwischendurch sogar wieder flüchtenden Pinguine die Eingeweide aus der Kloake herausgerissen und gefressen werden, werden normalerweise nicht ganz zu unrecht auch nicht im Fernsehen gezeigt:

    Auch hier muss man sich vor Augen halten dass es sich um “nur” gänsegroße Riesensturmvögel handelt, die keine Zähne haben, und auf ihren großen Paddelfüßen auch weder sonderlich schnell noch geschickt laufen können. Wenn Theropoden ihre Beute gejagt, getötet und gefressen (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge…) haben, ist es unter Garantie teilweise zu ähnlichen Szenen gekommen. Ich bin mir noch nicht einmal sicher ob sie ein Federkleid dabei wirklich weniger furchteinflößend aussehen lassen hat.
    Ich habe Knut den Eisbären zu Lebzeiten nur dreckig von Erde verschmiert im Gehege gesehen, aber alle die in ihm nur den knuddeligen Riesenteddybären wahrgenommen haben, waren sich nicht im Klaren darüber, dass er in der freien Natur nach dem Fressen auch eher so, und nicht mehr wirklich knuddelig ausgesehen hätte:

  4. Markus says:

    Ja, Riesenstumrvögel sind auch einfach krass. Als ich zum ersten mal einen in voller Lebensgröße in der Zoologischen Schausammlung in Tübingen gesehen habe, war ich auch ziemlich beeindruckt wie riesengroß die sind. Wird auch definitiv irgendwann Thema für einen Blog-Post bei mir.

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