Das neue Vogelhaus im Zoo Berlin

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Gestern war ich ein paar Stunden im Berliner Zoo, und verbrachte einen Teil der zeit mit der Inspektion des neuen Vogelhauses. Weil beide Söhne dabei waren, konnte ich weder das Haus noch seine Bewohner sorgfältig studieren, also folgt hier nur eine kurze Einführung zum Gebäude. Ein fotografisches Inventar? Vielleicht nach dem nächsten Besuch.

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Das oben ist der Fluchtwegplan des Erdgeschosses. Ich habe einfach ein Foto des Plan gemacht, der in allem öffentlich zugänglichen Gebäuden Deutschlands gut sichtbar aushängen muss. Das Grüne ist der Bereich, den Besucher betreten können. Die Käfige sind auf vier große Areale verteilt, die jeweils aus einer Reihe kleiner Käfige entlang der Außenwand bestehen; dazu kommen drei große, betretbare Volieren in der Mitte. In der Mitte sieht man zwei grüne “Finger” ins Innere reichen, die über Treppenhäuser und einen “Baumwipfelpfad”, mit Ausblick in die großen betretbaren Volieren, miteinander verbunden sind. Von diesen “Fingern” gehen auch die Zugänge zu den Volieren ab.

Die vier Areale sind geographisch geordnet: Asien, Australien, Afrika und Südamerika. Letzteres ist das größte (oben rechts), aber beinhaltet auch die Papageien u.ä. Wie man dem Plan leicht entnehmen kann, gehört zu jedem Außenkäfig einer von ordentlicher Größe im Inneren. So können die Vögel bei geeignetem Wetter draußen sein, bei schlechtem Wetter sind sie aber nicht auf eine winzige Kammer beschränkt. Einige Käfige sind ganz schön groß, und ich hätte erwartet, dass darin jede Menge Arten untergebracht sind, aber an mehr als vier auf einmal kann ich mich nicht erinnern. Die meisten sind nur mit ein oder zwei Arten belegt. Momentan sehen die Käfige alle recht kärglich eingerichtet aus, aber das wird sich ändern, wenn die eingepflanzte Vegetation anfängt zu wachsen.

Hier sind mal zwei Fotos aus diesem Winter, die das Gebäude im Bau zeigen. Auf dem ersten kann man die Massigkeit des mehrstöckigen Gebäudes sehen, das die zentralen betretbaren Volieren beinhaltet, sowie seine Glasfront (die Rückseite sieht genauso aus), und die Außenwand einer der vier Eckteile, wobei die Gitter der Außenkäfige noch fehlen. Auf dem zweiten sind sie dann montiert.

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und ein Bild von gestern:

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Ja, unbeschichteter Gitterzaun – aber dazu kommen ich gleich noch.

OK, ab nach Drinnen.Hier folgen ein paar Ansichten der Abteilungen mit den Käfigen. Jede hat einen schönen, großen Bereich mit Oberlicht und ein paar Sitzgelegenheiten, daher kommt man auch dann gut durch, wenn es mal ein wenig voller wird – also kein Bedarf, die Leute in einer vorherbestimmten Richtung durch das Gebäude zu schleusen.

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Und nun kann man auch den Geniestreich der Konstruktion schon gut sehen: die Dächer über den Käfigen lassen Tageslicht einfallen. Jede Menge. Sie sind nicht aus Glas, sondern aus UV-duchlässigen Doppelstegplatten aus Plexiglas. Das ist teurer, aber gut für die Vögel. Der Besucherbereich ist dunkel, wobei das Oberlicht genug Licht gibt, dass man nicht in Dinge oder Leute reinrennt. Das Folge zeigt das Gebäude die Vögel schön, anstatt sie schön in dunklen Ecken zu verstecken, wie das in manch anderen der Fall ist. Außerdem werden die Vögel nicht vom Anblick der Besucher verwirrt oder verschreckt.

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Die Wände sind aus Sichtbeton, gute Qualität aber, und sollten daher nicht so schnell schäbig aussehen. Alles sehr nüchtern und unprätentiös. Die Gänge zwischen den Ecken, von denen auch die Türen nach draußen und die “Finger” zum Zugang zu den Durchgangsvolieren und dem “Baumwipfelpfad” abgehen, sind im genau gleichen Stil erbaut (natürlich), und sehen ein wenig wie Gefängnisarchitektur aus. Andererseits gibt es große Panoramafenster in die betretbaren Volieren, und diese in Kombination mit dem natürlich erleuchteten Bereichen am jeweils anderen Ende geben dem ganzen eine “Licht am Ende des Tunnels”-Qualität, die einen weiter zieht um mehr Vögel zu betrachten. Ein ziemlicher, positiver Kontrast zu manchen anderen Vogelhäuser, die eine gewisse Bergwerksausstrahlung haben.

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Die Beschilderung ist minimalistisch, aber einer der Pfleger sagte mir, dass es da wohl noch ein paar Änderungen geben könnte. Auch in anderer Hinsicht, zum Beispiel bei den Gittern (zu denen ich – fest versprochen – wirklich gleich noch kommen werde). Der Haupteingang (ich halte das mal dafür) beherbergt noch eine kleine Cafeteria, die quasi-Asiatisches serviert. Dieser Bereich zeigt sehr schön den sehr einfachen und schmucklosen Stil des Gebäudes.

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Eines der Panoramafenster. Eingie haben unten eine bankartigen Holzsockel, wie auch alle Käfige in den Eckbereichen (siehe Fotos unten). Sehr praktisch für Kinder.

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Jetzt aber endlich zu den einzelnen Käfigen. Sie sind alle auf die gleiche Weise gebaut, wenn auch (glaube ich) mit teils abweichenden Drahtstärken – es werden Keas gezeigt, und da ist sicherlich 5 cm rostfreier Stahl angebracht.

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Auf diesem Bild kann man sehr schön die Oberlichter über den Käfigen sehen; eine durchgehende Reihe über alle Käfige, statt nur kleiner Sehschlitze hier und da. Fühlt isch im Käfig sicher wie 90% von Draußen an.

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Lionel beobachtet Spitzschopftauben (Ocyphaps lophotes) mit Adleraugen.

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Spitzschopftaube beobachtet Lionel mit Adleraugen.

Weil alle Käfige genau gleich sind, sehe ich eine Änderung sehr schnell passieren: Warnschilder werden kommen, die die Leute vor dem Risiko der Fingerverletzung oder des -verlusts bei den Papageienkäfigen warnen. Man kann da einfach die Finger reinstecken und sie sich glatt abbeißen lassen. Natürlich spielen viele Papageien und Kakadus gern mit den Besuchern, aber ich persönlich würde doch ein wenig Plexiglas dazubauen, so hoch wie kleine Kindern grabschen können. Nur um auf der sicheren Seite zu sein.

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Braunkopfkakadu (glaube ich – Calyptorhynchus lathami), am Gitter hängend; er kletterte munter jemandes Finger nach. und so kommen wir endlich zum Gitter. Wie man sehen kann, glänzt es noch, und wird vermutlich beim Oxidieren noch heller werden. Und das ist für das Fotografieren sehr schlecht. Ein dunkles Gitter ist teurer, weil es irgendwie beschichtet werden muss, aber selbst ein einen sehr gut konstruierten Vogelhaus wirft ein helles Gitter jedes Bisschen licht aus dem Hintergrund des Besuchers zurück in die Kamera. Wenn die Vögel weit weg vom Gitter sind kann man oft ganz gute Bilder hinbekommen, vorausgesetzt die Viecher sind klein genug und man hat die richtige Ausrüstung um durch eine einzelne Masche zu knipsen. Das hat für mich, sogar bei den nicht gerade kleinen Großen Soldatenaras (Ara ambiguus) gut funktioniert, aber – schaut selbst, was das “aber” ist.

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– trotz Auf-den-Kopf-Stellens: ich konnte nicht wirklich nur durch eine Masche fotografieren. Das Beste war noch, so zu zoomen, dass die Vögel in einer Masche sichtbar waren. Das reduziert aber ihre Größe auf dem Bild, und daher die Auflösung ihres Bildes.
– ich war beim Bildwinkel sehr eingeschränkt, und somit bei der Bildkomposition. Kamera hochheben und ein praktisch waagerechtes Bild erzeugen? Vergiss es!
– Ich war beim Winkel zwischen Gitter und Objektiv sehr eingeschränkt; war zu fast 90! gezwungen. Das verhindert eine Seitenansicht statt einer Rückenansicht.

Summa summarum: AAARGH!

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und wenn ein Vogel (Gelbwangenkakadu [Cacatua sulphurea]) einfach zu nah am Gitter ist, kann man gar nichts machen. Dieser Vogel saß so ca. 1/3 der Tiefe seines Käfigs vom Gitter weg, also eigentlich keine schlechte Position. Aber ich habe einfach kein gutes Bild hinbekommen.

Aber nicht alles ist schlecht. Ich habe ein paar tolle Bilder, trotz der Gitter. Die zeige ich nächstes Mal, zusammen mit Fotos der betretbaren Volieren und der Baumwipfelpfades.

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About Heinrich Mallison

I'm a dinosaur biomech guy working at the Museum für Naturkunde Berlin.
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3 Responses to Das neue Vogelhaus im Zoo Berlin

  1. Pingback: Asien im Zoo Berlin Teil 1 | dinosaurpalaeo auf Deutsch

  2. Pingback: Australien im Vogelhaus des Zoo Berlin, Teil 1 | dinosaurpalaeo auf Deutsch

  3. Hanna Dreher says:

    Super schöne Bilder! Da bekomme ich ja total Lust auf einen Zoo-Besuch. Danke fürs Teilen!

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