Theropoden-Donnerstag 50: Fruchtsalat, ich komme!

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Wenn man den Durchschnittsmenschen fragt, was denn ein Theropode sei, wird man meist mit einem recht leeren Blick bedacht, oder man bekommt “Tyrannosaurus!!!” oder “Raptoren!!!!” entgegengebrüllt. Fleischfresser, alle beide, und ziemlich wahrscheinlich hyperkarnivor. Andere Leute fangen von Greifvögel an, und so weiter – und es geht ums Töten und Aasfresser und und und. Selbst wenn man einen dieser Erleuchteten trifft, die wissen: heutige Vögel sind Theropoden, wird man meist etwas über Zombie-Meisen und ihre Vorliebe für Fledermaus- und Singvogelhirne hören, über Falken, die ihre Beute in der Luft durch den Aufprall töten, und was nicht alles. Ja, der Großteil der Leute weiß, dass viele Vögel keine Fleischfresser sind, aber sobald man von “Dinosauriern” und “Theropoden” redet, vergessen sie das sofort.

Heutige Theropoden sind aber sehr verscheiden was ihre Nahrung angeht. Ja, viele sind reine Fleischfresser, man denke nur an all die Adler und Falken und so. Insektenfresser gibt#s auch wie Sand am Meer. Aber dann gibt es da auch noch die enorme Vielfalt von Vögeln, die im Grunde alles fressen, was nicht bei drei mehrere Bäume weit weg ist; oft haben sie eine klare Vorliebe für Fleischiges. Die meisten Möwen zählen dazu, und viele Rabenvögel. Der Rest? Aberwitzig viele hoch Generalisten- oder auch spezialisierte Pflanzenfresser , Fruchtfresser, Körnerfressser, was nicht alles.

Wie sieht es in dieser Hinsicht bei den Fossilien aus? Gibt es Anzeichen, dass die Diversität der Nahrung schon vor der kreide/Tertiärgrenze ausgeprägt war? Vor dem aktiven Flug? Vor irgendeiner Art von Flug? Oder sogar schon viel früher, zum Beispiel in der oberen Trias?

Diese Fragen will ich hier nicht beantworten. Statt dessen führen sie weiter zu einem Thema, dass Darren Naish (TetZoo)neulich in einem Kommentar zum untenstehenden Foto eine Palmgeiers (Gypohierax angolensis) auf Facebook ansprach:

“Für alle, die es nicht wissen: Gypohierax ist ein obligater Fruchtfresser. Ich habe schon herauszufinden versucht, ob man dies an seienr Anatomy erkennen könnte.”

Gypohierax angolensis

Ich habe nicht wirklich Ahnung von Geiern, aber die deutsche Wikipedia-Seite über Palmgeier sagt folgendes:

“Palmgeier sind mittelgroße, recht kräftig gebaute Greifvögel mit breiten, aber relativ kurzen Flügeln, einem sehr kurzen, gerundeten Schwanz, recht kleinem Kopf und kräftigem und langem Schnabel.”

(von de.wikipedia.org/wiki/Palmgeier unter CC-by-sa-3.0 Lizenz)

Hm, Flügelproportionen. Die Tiefe eines Flügels ist an einem Fossil nicht zu sehen, außer die Federn sind erhalten. Schwanzform und -länge? Ebenso. Gesamtgröße sagt auch nicht wirklich was aus über ungewöhnliches Futter. Der kleine Kopf? Die Form und Größe des Schnabels? Letztere könnte mich schon zum Gedanken verleiten: hoppla, sieht schon komisch aus, anders als bei anderen Altweltgeiern. Aber würde jemand drauf kommen, dass adulte Tiere bis zu 2/3 Früchte fressen? Jungtiere bis zu 95%? Ganz sicher nicht!

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Noch ein Bild – er zwinkert!

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Summa summarum, sollten wir erwarten, atypische Ernährung im Fossilbericht zu erkennen? Normalerweise nicht, wenn die Art nicht viel Zeit gehabt hat, sich daran anzupassen. Weil, wie Dartian in einem Kommentar zu diesem TetZoo-Beitrag über Geier schrieb: es dauert normalerweise ein wenig, bis die Morphologie die Ökologie einholt.

Um das nochmal zu verdeutlichen kommt heir noch ein sich atypisch ernährender Greif, der Wespenbussard (Pernis apivorus). Schaut ihn euch an, und wagt dann zu behaupten, dass ihr erkennen könnt, dass er sich vorwiegend von Wespen- und Bienenbrut ernährt!

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Nö! Glaub ich nicht!

Fazit ist hier also: man kann die typische Ernährungsweise einer größeren Gruppe aus dem anpassungen ableiten, die quer durch die Gruppe verbreitet sind. Aber für die einzelne Art hilft dies nicht.

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About Heinrich Mallison

I'm a dinosaur biomech guy working at the Museum für Naturkunde Berlin.
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One Response to Theropoden-Donnerstag 50: Fruchtsalat, ich komme!

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