Paläofrust

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Dieser Beitrag ist in Teilen etwas kryptisch. So nenne ich kein bestimmtes Fossil und was daran so spannend ist. Dafür gibt es einen guten Grund, also seht mir die Geheimniskrämerei bitte nach!

Die letzte Nacht hat sich mit Leichtigkeit einen Platz auf meiner UNL (unbequemste Nächte meines Lebens) Liste verdient. Ich verbrachte sie in einem Zug – einem schönen, normalerweise sehr schnellen Hochgeschwindigkeitszug, muss ich zugeben, – der mich langsam von Berlin nach Bonn brachte. “Langsam” nicht im Vergleich zum Fahrplan, aber das ist der Sonderfahrplan als Folge der Flut dieses Sommers und der Unfähigkeit der Deutschen Bahn, genug Personal für die Stellwerke bereitzustellen. Summa summarum ist es sehr unbequemer Weg, von A nach B zu kommen, weil jemand meiner Körpergröße in einem ICE keine bequeme Schlafposition finden kann. Die Sitzlehnen sind sehr gerade, und es gibt an den Tischsitzplätzen keine Möglichkeit, die Füße irgendwo abzustützen. Hat man eine ander Sitzreihe vor der Nase, ist es auch nicht besser, weil die Sitzrückseiten den Knien und Füßen auch keine Stütze bieten. Dazu kommt, dass die Reihen einen für das Sitzen sehr komfortablen Abstand haben, so dass man sich auch nicht wie in vielen Flugzeugen verkeilen kann. Aufrecht sitzen geht aber auch nicht, weil der Kopf seitlich in keiner Weise gestützt wird, und somit tiefer und tiefer und tiefer rutscht, bis man mit einem Ruck und Nackenschmerzen aufwacht. Bäh! Man kann nichtmal WACH da drin länger bequem sitzen, weil die Lendenwirbelsäule überhaupt nicht unterstützt wird, und man sich nur anlehnen kann, wenn man in sich zusammensackt. Wüärg!

Morgens um 3 in Köln ankommen ist ein häüßliches Ende so einer Reise, aber immerhin besser als um viertel nach 4 in Bonn. Ich habe die erste Option ganz einfach deswegen gewählt, weil es am HBF Köln einen Fastfood-Laden gibt, der die ganze Nacht auf hat – viel besser als die dunklen Fenster, die mich in Bonn erwartet hätten. Züge nach Bonn fahren von Köln im Berufsverkehr ja dauernd. Trotzdem: wahrlich nicht meine erste Wahl, um dort die Nacht zu verbringen, vor allem wenn die Stunde Internet umsonst nicht funktioniert.

Jetzt, auf dem Heimweg, sitze ich wieder im gleichen Laden – immer noch kein Internet. Ich muss das hier also posten, wenn ich heute Nacht wieder in Berlin bin. Oder später. Ja genau, So Abend Berlin nach Köln, Mo sehr früh wieter nach Bonn, gerade von Bonn nach Köln (Danke für’s Fahren, Armin!), und in ca. einer Stunde wieder ab nach Berlin. Ankunft um Mitternacht, falls der Zug pünktlich ist (falls…… mwahahahaha!), und dann noch ne knappe Stunde Autofahr nach Hause.

Warum zum Teufel mache ich sowas? Weil ich beruflich frustriert werden wollte. Nein, natürlich nicht, natürlich habe ich auf ein gutes Ergebnis gehofft, nicht auf eine Pleite. Aber damit war es nix. Dennoch, es war den Versuch wert.

Ich bin nach Bonn gefahren, um einen Dinoknochen ins microCT zu schieben. Das MfN hat ein microCT, ein sehr gutes. Aber die hohe Auflösung verlangt leider eine kleine Kammer, so dass nur sehr kleine Objekte gescannt werden können. Das Steinmann-Institut an der Uni Bonn hat einen Scanner, der zwar nur eine geringere Auflösung erzielt, aber größere Objekte aufnehmen kann, bis zu ~ 50 cm. Das ist beeindruckend, und für den Knochen, um den es mir ging, war Bonn die einfachste Lösung.

Bei meiner Ankunft am Institut in Bonn war ich auf Autopilot, aber der CT-Techniker Peter Göddertz machte sich sofort an die Arbeit, und ließ mich erstmal was futtern gehen. Zwanzig Miunten später, als ich zurück kam, ging es mir schon viel besser, vor allem, als ich den Knochen fast fertig für den Scan sah. In medizinischen CTs rotiert das CT um den Menschen, der still liegt. Bei vielen technischen Geräten, auch dem in Bonn, rotiert das Objekt, und der Scanner steht still. Daher musste der Knochen so auf einem Halter montiert werden, dass es nicht runterfällt oder rumwackelt während des Scans. Herr Göddertz machte das ganz geschickt mit Styropor und Klebeband, und schon war alles fertig für den Scan.

Der dauerte nicht mal eine Stunde, dazu rechne man noch Zeit um die Dateien zu kopieren und Schnitte aus den Rohdaten zu errechnen. Ja, die Rohdaten habe ich auch bekommen, und sie werden verwahrt und, wenn das Projekt durch ist, auch zugänglich gemacht. Dazu habe ich auch eine Datei bekommen, die alle Scanparameter enthält. Das ist wichtig, weil einem der schönste Stapel Schnitte oder ein 3D-Modell allein nichts bringt. Was man braucht ist die Info, wie diese Daten generiert wurden, sonst sind das keine Daten. Nur wer alle Infos hat, kann genau zeigen, welche Auflösung der Scan hat, und welche Genauigkeit – und dieses Wissen brauhct man!

Insgesamt kamen um die 4.7 GB Daten zusammen. Das schließt aber einen Stapel JPGs und einen Stapel TIFFs ein, also eine Redundanz (man kann die JPGs jederzeit aus den TIFFs errechnen). Endlich also der erste Blick auf das Ergebnis – und die Ernüchterung! Statt der erhofften klaren Trennung zwischen zwei Geweben war alles eine uniforme Knochenmasse. Nix zu sehen hier, gehen sie bitte weiter!

Ein Kollege am Steinmann-Institut, Armin Schmitt, ist ein CT-Zauberer. Ich rannte also gleich zu ihm, statt einen zweiten Scan zu versuchen. Armin konnte mit den Daten leider auch nichts sinnvolles anfangen. Aber er schlug vor, einen neuen Scan mit etwas anderen Einstellungen zu fahren: mehr Ampere, weniger Volt. Weild er Knochen noch im Scanner war, konnten wir gleich loslegen. Die 45 Minuten Scanzeit verbrachte ich im Sitzen dösend auf einem Stuhl. Dann ging’s zum Mittagessen, und dann konnten wir endlich die Resultate auschecken. Und siehe da, inmitten reichlicher Artefakte scheint sich da doch ein kleiner Unterschied zwischen den Geweben abzuzeichnen!

frustration_01

Ein sehr kleiner Unterschied, weniger als die Schwankungen innerhalb des Knochens, aber er ist da! Jetzt ist es ein Geduldsspiel, das aus dem Rauschen rauszufriemeln, um dann zu sehen, ob es das ist, was ich denke: passt es zu den Unterschieden, die ich auf der Knochenaußenseite sehen kann? Passt es zu den Vorhersagen über den Innenaufbau, die ich auf der Basis der äußeren Erscheinung und meiner (bescheidenen) Kenntnis der Knochenbildung gemacht habe? Wir werden sehen…. und wenn die Antworten “Ja” und “Ja” sind, könnt ihr binnen eines Jahren was darüber in einer sehr schönen Zeitschrift lesen!

So, ab nach Berlin – falls ich nicht vor Erreichen des Zuges einschlafe. GÄHN!!

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About Heinrich Mallison

I'm a dinosaur biomech guy working at the Museum für Naturkunde Berlin.
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One Response to Paläofrust

  1. Pingback: Palaeofrustration | dinosaurpalaeo

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