Wildpark Tambach: die nicht-Greifvögel

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In vorherigen Beiträgen habe ich die tolle Flugvorführung der Greifvögel im Wildpark Tambach schon geschildert, und auch die Luchse. Jetzt ist es Zeit, einen Überblick über alles zu geben, was Tambach sonst noch zu bieten hat. Als typischer Wildpark ist das natürlich Cerviden-lastig. Dazu will ich mal mit einem etwas ungewöhnlichen Foto beginnen.

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Schaut fast aus wie zwei komische Ziegen, oder? Sind es aber nicht. Tatsächlich handelt es sich um eine leuzistische und eine melanistische Damkuh (Dama dama). Leuzistisch heißt, dass die Haut keine Zellen besitzt, die Farbstoffe herstellen, während bei einem Albino zwar Zellen da sind, diese aber kein Melanin herstellen. Leuzismus betrifft also alle Farbstoffe, während Albinimus nur Melanin betrifft. Melanismus ist einfach die massive Überproduktion von Melanin, und die Tiere sind somit Schwärzlinge.

Wir kamen kurz vor Mittag im Park an, und gingen als erstes zu der Luchs- und Wolfsfütterung. Der Marsch dorthin führte durch ein großes Hirschgehege, wo Hunde verboten sind (ich fange jetzt gar nicht erst an, etwas über die behämmerten Hundebesitzer zu sagen, die ihren Hund auf unseren Kinderwagen sabbern ließen, – zwei Mal – und das auch noch normal fanden). Wir kamen bald schon zu einer großen Herde Damwild, mit mehreren leuzistischen und einem melanistischen Tier.

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Eine verdächtig helle Damkuh kam sehr nah an uns heran und nach uns aus nächster Nähe in Augenschein. Wie immer fiel mir auf, wie weit die Augäpfel aus dem Schädel vorstehen. Daran muss man denken, wenn man sich ausgestorbene Tiere und ihr Sichtfeld anschaut. Ein paar Millimeter weiter raus, wie viel Unterschied macht das? Ich habe mei meinem geschätzten Kollegen Dave Hone schon öfter darüber debattiert; es ist wohl an der Zeit, Daten zu sammeln und eine Publikation draus zu machen.

Die zweite Herde war dann Rotwild (Cervus elaphus).

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Die Herde machte sich schnell davon (und ich war wieder sehr glücklich mit meinem 300mm Tamron Objektiv), weil sie mehrere Kitze hatten. Die großen Vielender werden in einem separaten Gehege am Fuß des Hügels gehalten. Als wir vorbeiliefen lagen sie alle in eine großen Gruppe zusammen rum, Rothirsche, Damhirsche und Sikahirsche (Cervus nippon). Zwei große Rothirsche taten mir den Gefallen aufzustehen und loszulaufen, so dass ich ganz ordentliche Bilder bekam. Kein Glück hatte ich dagegen mit den Sikahirsche; einen davon kann man auf dem Bild unten sehen, wie er etwas rechts der Mitte im Bild unten Damhirsch zu spielen versucht.

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Was den Wildpark Tambach außer der überraschenden Auswahl an gezeigten Tieren so schön macht sind die Landschaft und Größe. Er ist groß, mit viel offener und waldiger Landschaft, aber nicht so groß, dass man endlos marschieren muss bis die Füße wehtun, um irgendwo hin zu kommen. Es ist hügelig, also abwechslungsreich, und es gibt immer wieder schöne Ausblicke auf das Schloss Tambach. Jede Menge Bänke laden zum Verweilen ein, es gibt genug Mülleimer, die Wege sind gut ausgeschildert – alles im allem ein schönes Ausflugsziel für Familien. Was mir besonders gefiel: sie versuchen nicht dauernd, einem Souvenirs aufzudrängen, oder Fast Food. Es gibt am Eingang eine große Restauration, dazu einen großen Spielplatz (von dem ich die Kinder fast nicht weg bekommen habe), und das war’s! Wunderbar!

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Außer den Hirschgehegen gibt es noch ein riesiges Gelände für ein weniger fluchtbereites Tier, das einem dafür eher mal richtig Ärger macht: Alces alces, der Elch. Das Gehege ist wirklich cool gemacht, mit viel Sumpf, wie es Elche lieben (siehe Foto unten). Infolge dessen bekamen wir keinen Elch zu Gesicht. Daneben steht eine Aussichtsplattform über das Schilf, und es gibt auch einen waldigen Teil im Gehege, aber wir hatten einfach kein Glück. Es war schon früher Abend, als wir bei den Elchen ankamen, und ich denke, die Elche warteten einfach ab, bis dir lärmenden Menschen weg waren, bevor sie aus ihrer Deckung kamen.

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So, genug Hirsche. Die typische Tierbelegung mit Großsäugern in einem mitteleuropäischen Wildpark schließt neben Hirschen das Wildschwein und – in größeren Parks – eine Katze (Wildkatze oder Luchs; Tambach hat beides) und/oder Wölfe (so auch Tambach) ein. Manche haben auch noch Wisente (Bison bonasus), und es überrascht nicht, dass auch Tambach ein großes Gehege für sie hat.

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Im Vergleich zu selbst den größten Hirschen sind diese Rindviecher richtig groß und massig! Americanische Bisons mit ihren großen Köpfen und zotteligen Mähnen an Kopf, Hals und Vorderrumpf und dem im Vergleich dürren Hintern sehen für mich immer ein wenig komisch aus, etwas lächerlich. Ihre europäischen Cousins – nun ja, das sind richtig giftig aussehende Biester! Eine Kuh mit Hirn und kurzer Lunte. Ich erinnere mich an Fotos in einer alten GEO Ausgabe von einem Wisent in Polen, dass ein Wildschwein tötet.

Der Wildpark hält noch eine Rinderart, die besonders gezüchtet wurde, um wie ein Auerochse auszusehen. Bei realistischer Betrachtung muss man feststellen, dass sie jedoch um einiges kleiner ist, und nur eine vage Ähnlichkeit zeigt, wie man sie auch bei anderen, primitiven Züchtungen sieht.

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Und wenn wir von Rinderartigen reden, es gibt noch mehr davon in Tambach.

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Mufflon (Ovis aries orientalis) – und was ein schöner Widder! Jetzt aber zu einem richtig irren Schaf: Das Jakob- oder Mehrhornschaf. Die Biester haben zwei bis sechs(!) Hörner, meist vier.

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Ansonsten gibt es im Wildpark Tambach noch Muntjaks (sorry, kein Bild) und Wildschweine (die brauche ich wahrlich nicht zeigen) – und das ist dann die ganze Liste der Artiodactylen. Bleibt noch, Bilder von der zweiten großen Raubtierart aus Europa zu zeigen:

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Eurasischer Wolf (Canis lupus lupus) – wobei ich mich angesichts der geringen Größe und Schlankheit frage, ob sie vom südöstlichen Rand des Verbreitungsgebiets stammen. Mehr Wolfsbilder gibt’s ein andermal.

Alles in allem ist Tambach immer einen Abstecher wert, falls ihr mal in der Gegend seid. Und nicht nur wegen der Greifvögel!

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About Heinrich Mallison

I'm a dinosaur biomech guy working at the Museum für Naturkunde Berlin.
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2 Responses to Wildpark Tambach: die nicht-Greifvögel

  1. Pingback: non-raptors at the Wildpark Tambach | dinosaurpalaeo

  2. Pingback: Wölfe im Wildpark Tambach | dinosaurpalaeo auf Deutsch

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