Mehr ungewöhliche Sauropoden-Perspektiven

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Dieser Blog leider zur Zeit /wie auch schon über längere Strecken in der Vergangenheit) an einem Mangel an Dinosaurierpaläontologie. Angesichts des Namens ist das ein beunruhigender Zustand, der sofortige Abhilfe erfordert. Somit kommt hier eine starke Dosis Dinosaurier 🙂 Ich habe ein paar weitere Fotos der Dinos im MfN aus ungewöhnlichen Perspektiven ausgegraben. Fotos, die ein normaler Besucher nicht machen kann.

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Zwei Ansichten von Giraffatitan brancai aus Tendaguru, Tansania. Eine großartige Skelettmontage, aber 99% aller leute bekommen sie nur von Boden aus zu sehen. Glückspilze auch von einer Leiter aus.Ich habe die Leiter dazu genutzt, Fotos vom Rumpf von genau (so gut das einzuschätzen ging) vorne und hinten aufzunehmen. Was verrät, dass ich diese Bilder nicht nur als optischen Genuss poste, sondern noch ein weiterführendes Ziel habe. Nämlich den, sie Forschern zugänglich zu machen. Ich glaube nicht, dass sie alle meinen Blog durchforsten, Google Bildersuche aber schon. 😉

Aber warum sollten Forscher an diesen Bildern interessiert sein? Ersten gibt es zwar Tonnen von Arbeiten zu Giraffatitan, zum Beispiel die wunderbaren Beschreibungen der Osteologie, voller Tafeln – aber manches fehlt noch. Mike Taylor wies gerade darauf hin, dass all diese Publikationen immer noch nicht alle Knochen vollständig illustrieren (und tatsächlich musste Mike auch nochmal nachbessern). Mike hat den Job also für einen Wirbel gemacht, und ich bin sicher das im Laufe der zeit immer mehr Abbildungen kommen werden. Was aber auch wichtig ist, sind Bilder des artikulierten Skeletts, da es sehr schwer ist, sich eine 3D-Anordnung auf der Basis von 2D Bildern der einzelnen Knochen vorzustellen. Hier sieht man, wie sie zusammenpassen. Und mittel dieser Fotos kann man  Graphic Double Integration (GDI) machen, eine tolle Methode um das Volumen und mithin das Gewicht eines Tieres abzuschätzen. Man kann auch direkt 3D CAD Modelle des lebenden Tiers bauen (obwohl man das idealerweise über digitale 3D Skelette macht; siehe meine Publikationen), was für eine Reihe von Dingen nützlich ist, nicht zuletzt auch Volumenbestimmung und somit Massenschätzung.

Außerdem kann man verschiedene Arten miteinander vergleichen, mit Blick auf die Proportionen der Körperteile. Machen wir mal, OK?

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Diplodocus carnegii (Abguss) in nicht-ganz-exakt Vorder- und Hinteransicht. Sofort sieht man, dass man den Rumpf von Diplodocus waagerecht innen entlang schauen kann, weil er +/- waagerecht ausgerichtet ist, während der von Giraffatitan wegen der langen Vorderbeine stark geneigt ist. Das kann man natürlich auch sehr gut in Seitenansicht sehen, und es ist egal, ob man dabei auf dem Fußboden oder im 1. Stock steht. Aber was können wir noch sehen?

Schaut nochmal auf der Bild oben. Man sieht, dass die Hinterbeine von Diplodocus “seitlich” des Rippenkorbes stehen. Jetzt scrollt nochmal ganz hoch zu Giraffatitan. Seht ihr, dass die Hinterbeine voll hinter dem Rumpf stehen, nicht seitlich daneben? Wie im Vergleich der Bauch von Diplodocus also richtig schlank wirkt? Im Grund hat Giraffatitan einfach einen enorm fetten Ranzen!

Natürlich kann man das auch aus anderen Ansichten oder aus dem Publikationen erkennen, aber diese beiden Fotos machen es schlagartig auf einen Blick sichtbar. Nächster Punkt: schaut euch die Breite im Verhältnis zur Höhe der Schultergürtel an. Klare Unterschiede. Genau so klar sichtbar wie die Unterschiede in den Schwänzen: der von Diplodocus ist eine Fortsetzung des Rumpfes, während der von Giraffatitan ganz schnell zu einem dürren Nichts zusammenschnurrt. Die Breite an der Hüfte im Verhältnis zum 5. Schwanzwirbel, z.B.

So, nun noch ein Bild von weiter weg:

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Hier sieht man toll, was für eine fettarschige Kuh Giraffatitan ist, im Vergleich zum Dircaeosaurus im Vordergrun. ich bin mir nicht sicher, dass der extrem schmale Burstkorb von Dicraeosaurus ohne taphonomische Verformung zustande gekommen ist, aber die Sakra und Ilia (Sitz- und Darmbeine) sprechen eine klare Sprache. Auch hier sieht man, dass bei Dicraeosaurus die Hinterbeine nicht voll hinter dem Rumpf sitzen, und so seitlich daran vorbeischwingen können, ohne allzusehr seitlich ausgestellt werden zu müssen.

Zum Abschluss noch ein perfekt (naja, fast) von vorne aufgenommener Diplodocus, aus der Höhe von etwa den Rabenbeinen von Giraffatitan fotografiert.

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About Heinrich Mallison

I'm a dinosaur biomech guy working at the Museum für Naturkunde Berlin.
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