Ein Affentheater – die Debatte um den Tierpark

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Vor kurzem haben ein paar Politiker und Journalisten mal wieder eine große Debatte um den Tierpark in Berlin vom Zaun gebrochen: soll man ihn zumachen, oder was sonst soll man wegen des Defizits tun? Braucht Berlin den Tierpark, und kann es sich den Luxus zweier Zoos leisten?

Seitdem hat sich die Diskussion teilweise erledigt, weil eine Schlüsselfigur aus dem Spiel genommen wurde, aber bevor ich dazu komme, gibt es erstmal ein wenig Hintergrund-Info.

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Argali oder Marco-Polo-Schaf (Ovis ammon polii)

In Berlin gibt es zwei Zoos, den Zoologischen Garten beim Bahnhof Zoo und den Tierpark Friedrichsfelde. Der Zoo ist mitten im Westen Berlins, der Tierpark am östlichen Ende – und viel wichtiger, der Zoo war der Zoo von West-Berlin, der Tierpark der Zoo der Hauptstadt der DDR. Weitpinkelwettbewerb garantiert.

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Schwarzhalskranich (Grus nigricollis)

Eine Beschreibung des Tierparks habe ich vor einer gefühlten Ewigkeit schon mal auf der englischen Version dieses Blogs gepostet (hier). Bin nie dazu gekommen, auch mal detailliert über den Zoo zu schreiben. In vieler Hinsicht ist er die Antithese des Tierparks: ein recht kleines Areal mitten zwischen hoher Bebauung und einem großen Bahnhof, so dass viele Gehege deutlich kleiner als im Tierpark sind, und es anteilig weniger Wege dazwischen gibt. Freier Raum? Vergiss es, der Laden ist vollgestopft wie es nur geht. Die Gebäude sind meist reich verziert, und das passend zur Herkunft der Tiere – Büffel im Blockhaus mit Totempfählen. In Gegensatz dazu ist die Bauweise im Tierpark sehr indifferent zweckdienlich und mit reichlich Sichtbeton.

Der größte Unterschied aber ist, dass der Zoo sich stark an typische Touristen richtet. Streichelzoo, Menschenaffen, ein riesiger zentraler Spielplatz, viele Konzerte und Veranstaltungen. Im Tierpark gibt es keine Menschenaffen, keinen Streichelzoo, alles ist weit weit weg von allem anderen, und es gibt zwar Events, aber die ziehen viel weniger Leute. Eher ein Ort für einen ausgedehnten Spaziergang mit Tierbeschau oder etwas für Leute mit dezidiertem zoologischen Interesse.

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Gerenuk (Litocranius walleri)

Bei der Durchsicht der Pro- und Contra-Argumente in den Zeitungen und im Radio fiel mir auf, dass die Hauptargumente derer, die den Tierpark abschaffen wollen, darauf zurückgehen, dass sie den Zoo lieber haben. Üblicherweise weil sie ein schnelles High haben wollen: weil sie kleine Kinder habe, weil sie nah dran leben, weil sie oberflächliche Idioten ohne Verständnis für Dinge haben, die nicht in einer Werbepause abgehandelt werden können. OK, diese Leute brauchen gerade keine Universität – also machen wir alle Berliner Unis zu?

Eine weitere “Frage” – die ihre Antwort gleich mitbringt – ist: “Braucht Berlin zwei Zoos?” Nun, einfache Antwort: der Zoo hatte knapp drei Millionen Besucher im letzten Jahr (inklusive Aquarium, allerdings), der Tierpark knapp über 1 Million. Nun stellen wir uns mal vor, wie es im Zoo an einem typischen schönen Sommertag aussieht, wenn dort 33% mehr Leute auftauchen – puh, nein danke! Der Zoo ist doch jetzt schon oft brechend voll!

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Kupferfasan (Syrmaticus soemmerringii)

Punkt 3: “Die Leute stimmen mit den Füßen ab!” Hirnrissig bis zum geht nicht mehr, weil der Zoo zufällig an einem Ort liegt, der nahe an den beliebtesten Touristenorten ist. Wenn ich im Sommer hingehe, erwarte ich ca. 50% Besucher aus Polen, Russland und Italien. Der Tierpark ist für viele Touristen einfach viel zu weit weg. Daher “stimmen” sie nicht mit den Füßen “ab”, sie sparen einfach Zeit. Außerdem werde ich immer wieder gefragt, wo denn nun die Pandas sind (irgendwie sehe ich wohl “offiziell” aus), obwohl sie nun schon eine ganze Weile tot sind. Wenn ich das den Leuten dann sage, schrumpfen sie auf 10% ihrer Größe zusammen und schleichen davon – anscheinend kommen viele Tourist vor allem wegen der Pandas. Man kann also keine Abstimmung über die Qualität des Tierparks in ihre Wahl des Zoos reinlesen.

Allerdings gibt es eine ganze Menge Leute, die den Tierpark nicht zumachen wollen, und trotzdem sehr harte Worte finden. Und ich muss zugeben, dass vieles davon ins Schwarze trifft. Hier sind ein paar Punkte, mein Senf dazu in kursiv.

  • Die Beschilderung ist oft nur auf Deutsch (und die Taxonomie auf dem Stand von anno dunnemals)
  • Der Tierpark ist altmodisch (na und? Das allein macht ihn nicht schlecht; komischerweise wird da nie was genaueres gesagt)
  • “Masse statt Klasse” (hm, komisch, ich muss an den Tierpark denken, nicht den Zoo, wenn ich an Tiere denke, die ich anderswo nicht oder nur selten zu sehen bekomme)
  • zu weitläufig für einen Kurzbesuch (wahr – zum Glück! Und da stimmen mir viele zu. Aber es nervt auch mal, wie weit man latschen muss, um irgendwohin zu kommen)
  • zu langweilig für Familien, es braucht ein “Erlebnisdorf” oder so (ja, der Vegnügungspark-Aspekt kommt ein wenig zu kurz)
  • der Tierpark macht zu wenig Werbung (stimmt, ich sehe viel vom Zoo, wenig vom Tierpark)
  • Die Restaurants sind “ostig” (stimmt, bis hin zu dem Extrem, dass am Eingang ein Schild hängt, nach dem das eine auf ist, es aber dann in Wirklichkeit das *andere* ist)

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Gayal (Bos frontalis oder B. gaurus), domestizierte Version des Gaur

Das Thema “zu weitläufig” ist wirklich ein Problem.Es gibt große Bereiche, die einfach nur Landschaft sind (Park), zum Beispiel wenn man am Eingang am Schloss reingeht. Dort gibt es das Reptilienhaus, die Krokodilhalle, die Landschildkröten, die Pelikane und so weiter – und dann kommt der große Fußmarsch durch jede Menge Landschaft, bis man wieder an einen Ort kommt, wo es Tiere zu sehen gibt. Sagen wir mal, wir gehen am Eingang links und machen die Reptilien/Schildkröten/Kroko-Kombi. Dann spuckt uns die Krokodilhalle aus und wir müssen fast einen halben Kilometer bis zu den Weißhandgibbons laufen, oder zu den Pelikanen. Mit kleinen Kindern ist das eine ganz schöne Entfernung. Oder man stelle sich mal vor, wir haben uns ein paar Dinge angesehen und nun wollen die Kinder zum Spielplatz, aber bitte gestern! Das ist dann schnell mal ein 10-Minuten-Marsch.

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Kreishornschaf (Ovis vignei) Das Schild im Zoo und zootierliste.de und wikipedia sind sich irgendwie nicht ganz einig über Unterarten und so.

Ein Thema kam in der öffentlichen Debatte nicht auf: dass es eine Reihe neuer und sehr schöner Tiergehege gibt, bei denen es für kleine Kinder fast unmöglich ist, die Tiere zu sehen, außer man hebt sie hoch. Geht mit einem Baby, aber garantiert Chaos, wenn man mit mehreren Kleinen dort ist. Besonders trifft dies auf die neue Gebirgstier-Region zu, wo sogar ich manchmal die Steinböcke nicht zu Gesicht bekomme, außer ich nutze den >10%-Gefälle nicht-für-Rollstühle/Kinderwagen-Trampelpfad, der netterweise mit Brennnesseln gesäumt ist. ARGH!

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Nellore Zebu (Bos taurus indicus)

Was besonders nervt, ist aber das komplette, vollständige und totale FEHLEN von Ankündigungen von Fütterungen. Es gibt keinen Aushang (0der wenn doch ist er professionell versteckt), und die Internetseite führt nur das Alfred-Brehm-Haus auf (Katzen), vage mit “ca. 15:00 Uhr außer Freitags”. Die Elefanten-Badestunde soll Sa und So von 11:00 bis 12:00 sein – ich war schon da und es ging von 10:00 bis 11:15. Das nervt, gelinde gesagt!

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Golden or Shaanxi Takin (Budorcas taxicolor bedfordi)

Große Teile könnten also eine Überarbeitung gebrauchen, besonders was “Edutainment” und “Unterhaltung” angeht. Weniger Tiere, wie vorgeschlagen wurde – naja, das waren ein paar klassische rabiat-Marktwirtschaftler und andere Idioten. Es zeichnet den Tierpark ja gerade aus, dass so viele Arten gezeigt werden! Wo sonst kann man, binnen weniger Minuten, drei Unterarten von Takinen sehen? Oder mehr Fasane und Verwandte als ich auf der Basis meiner Fotos zählen konnte? Oder um die 8 verschiedenen Geierarten in einer großen Voliere? Und eine Menge ungewöhnliche Hirsche gibt’s auch noch. Das Reptilienhaus und die Krokodilhalle – da muss ich mal gesondert was schreiben. Selbst mein Kollege Dave Hone, mit all seiner Erfahrung was Zoos angeht, war sehr überrascht von der großen Zahl von Arten die selten gezeigt werden, oder die er noch nie gesehen hatte, obwohl wir den Erdwolf nicht mal zu Gesicht bekommen haben.

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Sihuan takin (B. taxicolor tibetana)

Ein Teil der Debatte um den Tierpark ging um ein Thema, das ich bislang gemieden habe: Stasis! Es schien dort nichts vorwärts zu gehen, selbst die Planung kam nicht vom Fleck. Sogar 200.000 €, die die Senatsverwaltung für eine Konzeptentwicklung  bereit gestellt hatte, wurden nie abgerufen. Das hat vor allem mit der Leitung zu tun, mit Büropolitik bei der AG, der Zoo und Tierpark gehören. Hoffentlich gehört nun dieses Problem bald der Vergangenheit an: der Direktor, ein schwieriger Mensch wenn man’s nett formuliert, bekommt nächstes Jahr keinen neuen Vertrag mehr. Um mal ein grobes Bild zu zeichnen: er hat gesagt, bei der Weihnachtsfeier, dass nicht-christliche Mitarbeiter kein Weihnachtsgeld bekommen sollten. und er hat weibliche Mitarbeiter auf den Personalakten mit dem zoologischen Kürzel für “Weibchen” 0,1 gekennzeichent, aber anscheinend nicht die Männer mit 1,0 für Männchen. Naja, er wird gehen, und dann geht’s hoffentlich vorwärts!

Genug gelabert! Ich werde weiterhin über coole Tiere aus dem Tierpark schreiben, und wenn ihr mal nach Berlin kommt, plant einen Besuch dort ein! Es ist einer der besten Zoos in Europa, wenn man an der Natur interessiert ist, und nicht an einem “Erlebnispark”.

Ach ja, falls sich jemand über das merkwürdige Sammelsurium von Tiere auf den Fotos wundert: das ist eine kleine Auswahl der Tiere, die man in Deutschland nur im Tierpark zu sehen bekommt. “Masse statt Klasse”? Nicht wirklich!

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Meine Kamera ist besoffen!

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Heute habe ich ein Foto gemacht, das klar zeigt, dass meine Kamera mit Hochprozentigem in Kontakt war. Ein verschwommenes Doppelbild, was sagt uns das?

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Paläofrust

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Dieser Beitrag ist in Teilen etwas kryptisch. So nenne ich kein bestimmtes Fossil und was daran so spannend ist. Dafür gibt es einen guten Grund, also seht mir die Geheimniskrämerei bitte nach!

Die letzte Nacht hat sich mit Leichtigkeit einen Platz auf meiner UNL (unbequemste Nächte meines Lebens) Liste verdient. Ich verbrachte sie in einem Zug – einem schönen, normalerweise sehr schnellen Hochgeschwindigkeitszug, muss ich zugeben, – der mich langsam von Berlin nach Bonn brachte. “Langsam” nicht im Vergleich zum Fahrplan, aber das ist der Sonderfahrplan als Folge der Flut dieses Sommers und der Unfähigkeit der Deutschen Bahn, genug Personal für die Stellwerke bereitzustellen. Summa summarum ist es sehr unbequemer Weg, von A nach B zu kommen, weil jemand meiner Körpergröße in einem ICE keine bequeme Schlafposition finden kann. Die Sitzlehnen sind sehr gerade, und es gibt an den Tischsitzplätzen keine Möglichkeit, die Füße irgendwo abzustützen. Hat man eine ander Sitzreihe vor der Nase, ist es auch nicht besser, weil die Sitzrückseiten den Knien und Füßen auch keine Stütze bieten. Dazu kommt, dass die Reihen einen für das Sitzen sehr komfortablen Abstand haben, so dass man sich auch nicht wie in vielen Flugzeugen verkeilen kann. Aufrecht sitzen geht aber auch nicht, weil der Kopf seitlich in keiner Weise gestützt wird, und somit tiefer und tiefer und tiefer rutscht, bis man mit einem Ruck und Nackenschmerzen aufwacht. Bäh! Man kann nichtmal WACH da drin länger bequem sitzen, weil die Lendenwirbelsäule überhaupt nicht unterstützt wird, und man sich nur anlehnen kann, wenn man in sich zusammensackt. Wüärg!

Morgens um 3 in Köln ankommen ist ein häüßliches Ende so einer Reise, aber immerhin besser als um viertel nach 4 in Bonn. Ich habe die erste Option ganz einfach deswegen gewählt, weil es am HBF Köln einen Fastfood-Laden gibt, der die ganze Nacht auf hat – viel besser als die dunklen Fenster, die mich in Bonn erwartet hätten. Züge nach Bonn fahren von Köln im Berufsverkehr ja dauernd. Trotzdem: wahrlich nicht meine erste Wahl, um dort die Nacht zu verbringen, vor allem wenn die Stunde Internet umsonst nicht funktioniert.

Jetzt, auf dem Heimweg, sitze ich wieder im gleichen Laden – immer noch kein Internet. Ich muss das hier also posten, wenn ich heute Nacht wieder in Berlin bin. Oder später. Ja genau, So Abend Berlin nach Köln, Mo sehr früh wieter nach Bonn, gerade von Bonn nach Köln (Danke für’s Fahren, Armin!), und in ca. einer Stunde wieder ab nach Berlin. Ankunft um Mitternacht, falls der Zug pünktlich ist (falls…… mwahahahaha!), und dann noch ne knappe Stunde Autofahr nach Hause.

Warum zum Teufel mache ich sowas? Weil ich beruflich frustriert werden wollte. Nein, natürlich nicht, natürlich habe ich auf ein gutes Ergebnis gehofft, nicht auf eine Pleite. Aber damit war es nix. Dennoch, es war den Versuch wert.

Ich bin nach Bonn gefahren, um einen Dinoknochen ins microCT zu schieben. Das MfN hat ein microCT, ein sehr gutes. Aber die hohe Auflösung verlangt leider eine kleine Kammer, so dass nur sehr kleine Objekte gescannt werden können. Das Steinmann-Institut an der Uni Bonn hat einen Scanner, der zwar nur eine geringere Auflösung erzielt, aber größere Objekte aufnehmen kann, bis zu ~ 50 cm. Das ist beeindruckend, und für den Knochen, um den es mir ging, war Bonn die einfachste Lösung.

Bei meiner Ankunft am Institut in Bonn war ich auf Autopilot, aber der CT-Techniker Peter Göddertz machte sich sofort an die Arbeit, und ließ mich erstmal was futtern gehen. Zwanzig Miunten später, als ich zurück kam, ging es mir schon viel besser, vor allem, als ich den Knochen fast fertig für den Scan sah. In medizinischen CTs rotiert das CT um den Menschen, der still liegt. Bei vielen technischen Geräten, auch dem in Bonn, rotiert das Objekt, und der Scanner steht still. Daher musste der Knochen so auf einem Halter montiert werden, dass es nicht runterfällt oder rumwackelt während des Scans. Herr Göddertz machte das ganz geschickt mit Styropor und Klebeband, und schon war alles fertig für den Scan.

Der dauerte nicht mal eine Stunde, dazu rechne man noch Zeit um die Dateien zu kopieren und Schnitte aus den Rohdaten zu errechnen. Ja, die Rohdaten habe ich auch bekommen, und sie werden verwahrt und, wenn das Projekt durch ist, auch zugänglich gemacht. Dazu habe ich auch eine Datei bekommen, die alle Scanparameter enthält. Das ist wichtig, weil einem der schönste Stapel Schnitte oder ein 3D-Modell allein nichts bringt. Was man braucht ist die Info, wie diese Daten generiert wurden, sonst sind das keine Daten. Nur wer alle Infos hat, kann genau zeigen, welche Auflösung der Scan hat, und welche Genauigkeit – und dieses Wissen brauhct man!

Insgesamt kamen um die 4.7 GB Daten zusammen. Das schließt aber einen Stapel JPGs und einen Stapel TIFFs ein, also eine Redundanz (man kann die JPGs jederzeit aus den TIFFs errechnen). Endlich also der erste Blick auf das Ergebnis – und die Ernüchterung! Statt der erhofften klaren Trennung zwischen zwei Geweben war alles eine uniforme Knochenmasse. Nix zu sehen hier, gehen sie bitte weiter!

Ein Kollege am Steinmann-Institut, Armin Schmitt, ist ein CT-Zauberer. Ich rannte also gleich zu ihm, statt einen zweiten Scan zu versuchen. Armin konnte mit den Daten leider auch nichts sinnvolles anfangen. Aber er schlug vor, einen neuen Scan mit etwas anderen Einstellungen zu fahren: mehr Ampere, weniger Volt. Weild er Knochen noch im Scanner war, konnten wir gleich loslegen. Die 45 Minuten Scanzeit verbrachte ich im Sitzen dösend auf einem Stuhl. Dann ging’s zum Mittagessen, und dann konnten wir endlich die Resultate auschecken. Und siehe da, inmitten reichlicher Artefakte scheint sich da doch ein kleiner Unterschied zwischen den Geweben abzuzeichnen!

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Ein sehr kleiner Unterschied, weniger als die Schwankungen innerhalb des Knochens, aber er ist da! Jetzt ist es ein Geduldsspiel, das aus dem Rauschen rauszufriemeln, um dann zu sehen, ob es das ist, was ich denke: passt es zu den Unterschieden, die ich auf der Knochenaußenseite sehen kann? Passt es zu den Vorhersagen über den Innenaufbau, die ich auf der Basis der äußeren Erscheinung und meiner (bescheidenen) Kenntnis der Knochenbildung gemacht habe? Wir werden sehen…. und wenn die Antworten “Ja” und “Ja” sind, könnt ihr binnen eines Jahren was darüber in einer sehr schönen Zeitschrift lesen!

So, ab nach Berlin – falls ich nicht vor Erreichen des Zuges einschlafe. GÄHN!!

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Australien im Vogelhaus des Zoo Berlin, Teil 1

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Es ist jetzt schon eine ganze Weile seit dem letzten Beitrag über das neue Vogelhaus im Zoo Berlin vergangen, daher nehme ich an, dass sich alle vom Federsturm erholt haben, und bereit für die nächste Dosis sind. Diesmal sind die australischen Vögel dran. Als erstes einer, der bei Zoologen sehr beliebt ist, weil er seinen Namen im Flug dauernd laut verkündet (sagt Mark Carwadine): der Kea (Nestor notabilis).

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Man beachte den Schnabel (gut zum Scheibenwischerabreissen)und die kräftigen Füße (gut, um jede Menge anders Unheil anzurichten). Wie alle anderen Papageien sind Keas klug, neugierig, stark und immer am Unsinn machen. Viel mehr als andere Papageien, scheint es. Der Käfig im Berliner Zoo war bei meinem letzten Besuch noch heil, aber einige der anderen Papageienkäfige waren mit einer Plane abgetrennt, wegen Renovierung.

Neben den Keas sind zwei hübsche Finkenarten aus der Gattung Poephila untergebracht, Maskenamadine (Poephila personata) und Gürtelgrasfink (Poephila cincta). Letzterer heißt auf Englisch Black-throated finch, also Schwarzkehlenfink. ich lass euch mal raten, welcher welcher ist. Beide leben im offenen Grasland oder offenen Wäldern und sind gesellig.

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Nun ein Sittich, eine Taube und eine Wachtel. Ja, das ist nun keine Überraschung. Immerhin kann ich die Wachtel ab ovo zeigen.

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Eier und …

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erwachsener Hahn der Zwergwachtel (Coturnix chinensis). Die Zwergwachtel und die nun folgende Grünflügeltaube (Chalcophaps indica) kommen nicht nur in Australien vor, sondern quer durch Südostasien, und würden somit auch gut in den entsprechenden Bereich des Vogelhauses passen.

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und nun endlich der versprochene Sittich: der Schönsittich (Neophema pulchella). Ich hätte den ja den Langweiligen Schlafsittich genannt.

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Jetzt, da wir die obligatorische Taube und Wachtel aus dem Weg haben, können wir mit etwas anderem weitermachen – einer Taube und einem Finken! Von den beiden entkam die Spitzschopftaube meinen Bemühungen, sie auf Film zu bannen… äh, sie digital zu verewigen. Daher gibt’s hier nur den Binsenastrild (Neochmia ruficauda). Immerhin sind mehrere auf einem Bild, auch wenn das natürlich kein Trost für das Fehlen dieses seltensten der seltenen Vögel ist, der Taube 😉 Und immerhin hatte ich die Spitzschopftaube schon beim ersten Besuch erwischt.

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Im nächsten Käfig findet sich endlich mal eine Abwechslung von der sonst recht einheitlichen Wachtel-Taube-Fink-Sittich-Prozedur:

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Schaut mal! Coturnix chinensis, die Zwergwachtel! Noch nie gesehen! Diesmal eine Henne. Der andere Bewohner des Käfigs istAustralia_10

der Spitzschwanz-Gürtelgrasfink (Poephila acuticauda). Na gut, dann sind wir mit den drei Arten von  Poephila endlich durch, und haben Männlein wie Weiblein der Zwergwachtel gesehen. Was nun?

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Eine Taube!!! Es ist EINE TAUBE!!!!!!!

Genauer gesagt, die Wongataube (Leucosarcia melanoleuca).

Nun aber wird der Käfiggenosse sicherlich endlich mal KEIN FINK sein, oder? Bittebittebitee??????? Und tatsächlich werden wir verschont! Darf ich den Blauohr-Honigfresser (Entomyzon cyanotis) vorstellen?

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Im letzten Käfig gibt’s dann einen wirklich coolen und außergwöhnlichen Bewohner, den Eulenschwalm (Podargus strigoides).

Zum Abschluss habe ich noch ein Foto eines Vogels, der im Außen- statt im Innenkäfig unterwegs war. Es ist glaube ich der Vogel, den jeder am ehesten mit Australien assoziiert, der Lachende Hans (Dacelo novaeguineae) oder Jägerliest. Das Foto vermittelt auch einen guten Eindruck von den Schwierigkeiten, die die Metallgitter dem Fotografen machen. Ich musste meinen Zoom ganz weit runter schrauben, um den Vogel ohne störende graue, von den Drähten verursachte Unschärfe auf’s Bild zu bekommen. Das erste Bild ist ein Ausschnitt in voller Auflösung, der zweite das gesamte Bild auf 1/9 verkleinert. Bäh!

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Der Flug des Geiers

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Die Falken, die Adler – hol’s doch der Geier!

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Kappengeier (Necrosyrtes monachus) bei der Flugvorführung im Wildpark Tambach. Mittlerweile hatte der Regen nachgelassen, aber die Wolken wurden immer dunkler. Keine guten Fotobedingungen.

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Säuger-Montag 50: lecker Theropode!

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Außer einigen sehr coolen kleinen und größeren Theropoden zeigt der Wildpark Tambach eine Menge Säuger. Natürlich primär mitteleuropäische Großsäuger, genauer Hirsche, angereichert mit einer Art, die eigentlich von der letzten Eiszeit nach Südeuropa und den Nahen Osten verdrängt, aber von den Römern wieder bei uns eingeschleppt wurde. Bilder kommen – aber heute sind diese Tiere nicht Thema, sondern ein eingefleischter Theropodenverschlinger.

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Gut Ding will Weile haben. Bonnie is eine eurasische Luchsin (Lynx lynx), uns sie und  Partner Clyde (ich sag nix. Gaaarnix.) haben zur zeit vier Junge, die ich aber lieder nicht zu Gesicht bekommen habe. Nicht mal einen Ohrpinsel.

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Hier sieht man Bonnie die Pflegerin fixieren, die eine kurze kommentierte Fütterung durchführte. Sie fixierte sie, weil die Pflegerin die Luchse mit frischgeschlüpften Theropoden füttert, ein Standard-Snack. Männliche Küken von Züchtungen, die Eier legen sollen, sind nicht gerade nützlich für den Züchter, weil sie keine Eier legen, aber auch nicht zur Mast auf Fleisch taugen – falsche Rasse eben. Daher werden sie sehr billig als Futter an Zoos verkauft.

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LECKER! Bonnie hat noch ein Küken verdrückt! Bonnie glücklich!

Luchse weigen verblüffend wenig. Bonnie bringt nur 15 kg auf die Waage, wenn ich mich recht erinnere, und sieht ziemlich verhungert aus. Muss sie aber auch während der Aufzucht von Jungen, und bevor sie sich im Herbst etwas Speck für den Winter anfuttert.

Clye zeigt ein recht ungewöhnliches Verhalten: anstatt seine Kinder aufzufressen, hilft er bei der Aufzucht. Das ist unter Luchsen nicht normal, da sie totale Einzelgänger sind. Für den Tierpark ist es natürlich toll, weil es den Aufwand des Separieren spart.

Insgesamt sehr spannende Tiere! Viele Zoos haben Luchse, aber die meisten zeigen Kanadische oder Iberische, daher habe ich mich sehr gefreut, auch mal Eurasische zu sehen. Die Pflegerin machte die kommentierte Fütterung prima, erklärte geduldig alles über die Luchse und ihre Haltung. Einzig störend war die hrintote Nudel, die ihren Hund das zweite Mal an diesem Tag auf unseren Kinderwagen sabbern lies, und das auch noch normal fand. Sie ist auch daran schuld, dass ich trotz der tollen Gelegenheit nicht mehr Fotos gemacht habe.

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Der Flug der Adler

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Nach den Falken ging die Show im Wildpark Tambach mit einem Greifvogel weiter, der ganz gern zu Fuß geht. Aquila nipalensis, der Steppenadler, ist ein beeindruckend großer Vogel wenn er direkt auf einen kümmerlichen Falken folgt, aber im Vergleich zu anderen Adler ist er doch klar weniger majestätisch als der danach folgende.

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Anstatt dem Falkner auf den handschuh zu fliegen, landete der Vogel erstmal vor ihr und wartete ganz offensichtlich darauf, dass das auf dem Handschuh gebotene Futter aufgestockt wurde, bevor er dann bereit war hinaufzuhüpfen.

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Wegen des immer stärkeren Nieselregens habe ich keine guten Bilder vom Steppenadler im Flug hinbekommen. Hier sind die besten – oder sollte ich sagen, die am wenigsten schlechten?

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Man beachten den runtergeduckten Kopf!

Nach dem Steppenadler, der immerhin ganz gut in der Lage ist, die nicht allzu großen Wölfe der Mongolei oder Kasachstans zu erlegen, wenn die Falkner nur immer zwei Adler auf einen Wolf hetzen (Danke, Fernsehen, für diese ach so nützliche Trivial-Info!), ging die Show mit einem weiteren, und deutlich größeren Adler weiter:

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Ja, das erst Bild ist klar überbelichtet. Seufz! Ich weiß 😦

Wie auch immer, der Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus). Der Vogel tat, wofür Adler wohlbekannt sind: er posierte mit halb gefalteten Flügel und rausgestreckter Zunge, und sah somit arg nach einem zum Leben erweckten Wappentier aus.Wie auch die Falken fliegen die Adler gern ganz nah am Boden, und stürzen sich knapp über die Köpfe der Zuschauer hinweg. Klingt nach Spaß, aber vor allem hält sie das im Bodeneffekt, weil sie so nah am Boden sind, dass sie Luft nach unten drücken, die gegen den Boden stößt (welcher, anders als Luft, nicht nachgibt), und so einen erhöhten Druck produzieren. Nicht viel höher, aber das Wenige (bis zum 2,5-bis-3-fachen Auftrieb/Widerstands-Verhältnis bei Flugzeugen) genügt, um mehr Hub bei gleichem Flügelprofil und gleicher Geschwindigkeit zu bekommen.

Eine Folge ist, dass die Adler gern mal mit den Flügel- oder Schwanzfedern die Besucher streifen. Der Weißkopfseeadler streifte meine Gegenlichtblende mit seinem Schwanz, und die Leute hinter mir waren recht baff, dass ich gar nicht zusammenzuckte. Ehrlich gesagt, schaute ich ein 300 mm Rohr runter und versuchte, manuell einen genau über meine Kopf anfliegenden Adler scharfzustellen. Das gab mir zu nichts Zeit, als hektisch am Fokusring zu fummeln und den Auslöser zu betätigen. Kein Glück, was die Fotos angeht, aber den Versuch war’s wert. Bei dieser Nähe kommt der Autofokus eines Telezooms für weniger als 10.000 € einfach nicht mit der Annäherungsrate mit. Fotos eines weiteren Vorbeiflugs unten gelangen besser, zumindest was den Teil angeht, in dem der Adler nicht ganz so nah war.

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So, jetzt kommen noch mal drei Bilder, von denen das erste ganz gut die Größe des Biests zeigt. Weil sie Vögel sind, wiegen Adler erstaunlich wenig für ihre Größe, aber die Klauen und Schnäbel machen ganz schön Eindruck! Das letzte Bild ist aus einer ungewöhnlichen Perspektive aufgenommen, und zeigt sehr schön, dass große Greifvögel im Großen und Ganzen fast nur aus Flügeln und Schwanz bestehen, mit dem Körper als Teil der Tragefläche. Man vergleiche mal mit großen, flundrig-flachen Jagdflugzeugen wie der F-14.

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