Stegosaurier-Photogrammetrie – mehr WOW!

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Letztes Jahr habe ich einen wunderbaren Tag im RBINS (Königlich Belgisches Institut für Naturwissenschaften) verbracht, einen Tag, an dem ich tonnenweise Fotos gemacht habe. Von den Iguanodons, den anderen Dinosauriern, besonders ihrem Stan der T.rex Abguss, den Walskeletten, und und und. Ich hatte geplant (und habe dies auch getan), photogrammetrische Modelle vieler Skelette zu rechnen, aber damals waren meine Photogrammetrie-Künste und auch meine Software noch nicht so berauschend. Seit dem habe ich viel gelernt, wie man die richtigen Fotos raussucht, und PhotoScan ist auch sehr viel besser darin geworden, aus ihnen ein gutes Modell zu basteln.

Hier mal das Neueste, von den Fotos (ein Beispiel) zur Punktwolke zum Polygonnetz:

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hübsch, was?

Als nächstes wird der Kleine genutzt, um auch mit Hilfe konventioneller Fotos und Zeichnungen aus wissenschaftlichen Publikationen ein digitales 3D Modell zu basteln. Und dann  geht die Forschung los!

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Sauropoden-Photogrammetrie – oh wow!

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Im Rahmen meines laufenden Forschungsprojekts habe ich versuche, photogrammetrische Modelle verschiedener Dinosaurier zu erstellen, unter anderem auch von den MfN Sauropoden. Das ist aus verschiedenen Gründen ein ziemliches Gefriemel.

Erstens ist Photogrammetrie einfach nicht gut für Rippenkörbe geeignet, weil eine ganze Reihe von Flächen – Innenseiten von Rippen und die Wirbelcenta – innen liegen, daher schlecht beleuchtet sind, und in den Modellen nur schlecht dargestellt werden. Schlechte Beleuchtung bedeutet, dass weniger Punkte gefunden werden, und das führt zu großen Löchern. Noch dazu entsteht immer eine Menge frei flotierender Unsinn an Punkten.

Zweitens füllt die ganze Architektur im Hintergrund eines großen Objekts, um das man bei Fotografieren herum gehen muss, große Flächen auf den Fotos. Repetitive Flächen, die zu vielen falsch zugeordneten Punkten führen. Daraus resultiert dann eine falsche Ausrichtung der Fotopositionen.

Drittens werden die Knochen immer mit Strahlern beleuchtet, sind teils also sehr hell und teils von Schlagschatten verdunkelt. Das ist dann die Garantie für Löcher im Modell. Und für flotierende Unsinnsdaten, zum Beispiel zwischen den Rippen.

Daher waren meine Versuche, gute Modelle ganzer Skelettmontagen oder auch einzelner montierter Knochen zu erstellen ein ganz klein wenig schwieriger als geplant. Viel schwieriger im Falle des Diplodocus des MfN, eines Abguss des Carnegie-Diplodocus, in mittlerem Dunkelbraun angemalt. Ich unternahm einen Versuch, ein Modell des Schultergürtels zu rechnen und schaffte immer nur ein Alignment der Fotos bei dem eine flache 2D-Fläche herauskam, aus Sicht von vorne unten – im Grund, wie ein Foto das man von einer Position unter dem Kopf aufnimmt. AARGH!!!

Vor kurzem kam dann die pre-release 1.0 Version meiner Photogrammetrie-Software raus. Zuvor hatte ich 0.9 von Agisoft Photoscan Professional genutzt, und war eigentlich sehr glücklich damit. Aber die 1.0er hat eine Menge interessantes neues zu bieten. Ein Schlüsselfunktion ist nun die Möglichkeit, eine dichte Punktwolke zu berechnen und Zugang zu ihr zu haben. Zuvor berechnete Photoscan zwar eine solche, baute aber sofort aus ihr ein Polygonnetz. Die dichte Punktwolke war für den Nutzer nicht zugänglich.

Für die meisten Schritte der Weiterbearbeitung reicht die dichte Punktwolke vollkommen aus: Müll wegschneiden, zuschneiden, und so weiter. Und sie handhabt sich sehr viel schneller als das Polygonnetz. Und außerdem mesht Photoscan zwar recht gut, aber ich habe Software zur Verfügung, die das noch besser kann. Daher ist es eine tolle Neuigkeit, dass ich jetzt die dichte Punktwolke in meine digitalen Pfoten bekomme.

Moment mal, was ist denn eine dichte Punktwolke?” fragt ihr?
Nun, genau wonach es klingt: eine Punktwolke in der die Abstände zwischen den Punkten sehr klein sind. Wenn man ein Modell aus Fotos errechnet, muss man erst die Bilder korrekt ausrichten: das Programm findet heraus, wo die Kamera bei der Aufnahme welches Bildes war, und wohin sie zeigte. Das geschieht, indem Punkte von verschiedenen Fotos einander zugeordnet werden, aber es braucht dafür nicht viele Punkte. Diese stellen die dünnbesetzte (englisch “sparse”) Punktwolke dar. Diese hat meist genug Punkte, um einem zu erlauben, die Qualität der Fotoausrichtung einzuschätzen – OK oder kompletter Blödsinn? Im nächsten Schritt wird dann eine dichte Punktwolke, um eine größtmögliche Annäherung an der echte Objekt zu erhalten. Unten mal ein Screenshot einer dünnbesetzten Punktwolke und der dichten, die aus ihr errechnet wurde (mittlere Dichte in Photoscan).

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Dieses Modell ist ganz offensichtlich im Pre-release von Photoscan gerechnet, sonst könnt eich ja keine dichte Punktwolke zeigen. Und es sieht gut aus – viel besser als das, was ich oben beschrieben habe. Das liegt zum Großteil an Verbesserungen in Photoscan.

Aber es kommt noch etwas hinzu. Ich nutze eine Canon EOS 650D, und die hat einen Programmmodus für HDR Bilder. Sie macht drei Aufnahmen schnell hintereinander, mit verschiedenen ISO-Werten, und berechnet daraus ein Bild. Im Gegensatz zu HDR-Aufnahmen, die man selbst nachträglich in einem anderen Programm errechnet, haben diese Bilder volle EXIF-Daten, was sie Photoscan-tauglich macht. Obwohl sie oft nicht perfekt scharf sind (ja, auch mit Stativ nicht), haben sie doch den großen Vorteil dass die Schatten weniger dunkel und die Highlights weniger überstrahlt sind. Und das ist ein ganz wichtiges Ding für Phptogrammetrie. Ich habe mal meine alten Fotos durch das 1.0er Photoscan gejagt, und das ging tatsächlich viel besser als früher (d.h., es kam 3D statt 2D-Qaurk raus). Aber das Modell hatte viel weniger gute Oberflächen als mit den HDR-Bildern. Die rechte Scapula und die Rippen waren gut, aber links:

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und mit HDR:

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Ein ganz schöner Unterschied!

Also habe ich noch mehr mit HDR-Bildern rumgespielt:
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Unterschenkel von Diplodocus, dichte Punktwolke.

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andere Seite. Das Modell siht auf der Innenseite (Tibia-Seite) richtig gut aus, aber auf der fibularen Seite nicht ganz so. Das merkt man auch nach dem Vermaschen in Geomagic:

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Dennoch – diese 3D-Modelle kann ich zügig in etwas editieren, das gut genug für SIMM-Modellierungen ist! Ich liebe es🙂

 

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Wölfe im Wildpark Tambach

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Nach den Luchsen kommt nun mehr vom caniden Räuber: Canis lupus lupus, der Eurasische Wolf. Die vorher schon geposteten Bilder sind hier.

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Die Welpen waren gerade alt genug bei unserem Besuch um wie ernsthafte Tiere auszusehen, aber jung genug um noch knuffig zu sein.

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Ja, Gras fressen, Brennnesseln fressen, was auch immer rumstand. Wenigstens ein Altwolf versuchte, mal so richtig grimmig und nach gefährlichem Killer auszusehen, wie es den Wöflen immer nachgesagt wird.

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naja, jaaaa. Netter Versuch.

Es machte großen Spaß, den Wölfen beim Baden in ihrem kleinen Teich zuzusehen. Besonders dieser hier, der versuchte ein Loch zu graben um dann…..

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.. sich hinzuhocken und reinzuscheissen!

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Mehr ungewöhliche Sauropoden-Perspektiven

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Dieser Blog leider zur Zeit /wie auch schon über längere Strecken in der Vergangenheit) an einem Mangel an Dinosaurierpaläontologie. Angesichts des Namens ist das ein beunruhigender Zustand, der sofortige Abhilfe erfordert. Somit kommt hier eine starke Dosis Dinosaurier🙂 Ich habe ein paar weitere Fotos der Dinos im MfN aus ungewöhnlichen Perspektiven ausgegraben. Fotos, die ein normaler Besucher nicht machen kann.

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Zwei Ansichten von Giraffatitan brancai aus Tendaguru, Tansania. Eine großartige Skelettmontage, aber 99% aller leute bekommen sie nur von Boden aus zu sehen. Glückspilze auch von einer Leiter aus.Ich habe die Leiter dazu genutzt, Fotos vom Rumpf von genau (so gut das einzuschätzen ging) vorne und hinten aufzunehmen. Was verrät, dass ich diese Bilder nicht nur als optischen Genuss poste, sondern noch ein weiterführendes Ziel habe. Nämlich den, sie Forschern zugänglich zu machen. Ich glaube nicht, dass sie alle meinen Blog durchforsten, Google Bildersuche aber schon.😉

Aber warum sollten Forscher an diesen Bildern interessiert sein? Ersten gibt es zwar Tonnen von Arbeiten zu Giraffatitan, zum Beispiel die wunderbaren Beschreibungen der Osteologie, voller Tafeln – aber manches fehlt noch. Mike Taylor wies gerade darauf hin, dass all diese Publikationen immer noch nicht alle Knochen vollständig illustrieren (und tatsächlich musste Mike auch nochmal nachbessern). Mike hat den Job also für einen Wirbel gemacht, und ich bin sicher das im Laufe der zeit immer mehr Abbildungen kommen werden. Was aber auch wichtig ist, sind Bilder des artikulierten Skeletts, da es sehr schwer ist, sich eine 3D-Anordnung auf der Basis von 2D Bildern der einzelnen Knochen vorzustellen. Hier sieht man, wie sie zusammenpassen. Und mittel dieser Fotos kann man  Graphic Double Integration (GDI) machen, eine tolle Methode um das Volumen und mithin das Gewicht eines Tieres abzuschätzen. Man kann auch direkt 3D CAD Modelle des lebenden Tiers bauen (obwohl man das idealerweise über digitale 3D Skelette macht; siehe meine Publikationen), was für eine Reihe von Dingen nützlich ist, nicht zuletzt auch Volumenbestimmung und somit Massenschätzung.

Außerdem kann man verschiedene Arten miteinander vergleichen, mit Blick auf die Proportionen der Körperteile. Machen wir mal, OK?

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Diplodocus carnegii (Abguss) in nicht-ganz-exakt Vorder- und Hinteransicht. Sofort sieht man, dass man den Rumpf von Diplodocus waagerecht innen entlang schauen kann, weil er +/- waagerecht ausgerichtet ist, während der von Giraffatitan wegen der langen Vorderbeine stark geneigt ist. Das kann man natürlich auch sehr gut in Seitenansicht sehen, und es ist egal, ob man dabei auf dem Fußboden oder im 1. Stock steht. Aber was können wir noch sehen?

Schaut nochmal auf der Bild oben. Man sieht, dass die Hinterbeine von Diplodocus “seitlich” des Rippenkorbes stehen. Jetzt scrollt nochmal ganz hoch zu Giraffatitan. Seht ihr, dass die Hinterbeine voll hinter dem Rumpf stehen, nicht seitlich daneben? Wie im Vergleich der Bauch von Diplodocus also richtig schlank wirkt? Im Grund hat Giraffatitan einfach einen enorm fetten Ranzen!

Natürlich kann man das auch aus anderen Ansichten oder aus dem Publikationen erkennen, aber diese beiden Fotos machen es schlagartig auf einen Blick sichtbar. Nächster Punkt: schaut euch die Breite im Verhältnis zur Höhe der Schultergürtel an. Klare Unterschiede. Genau so klar sichtbar wie die Unterschiede in den Schwänzen: der von Diplodocus ist eine Fortsetzung des Rumpfes, während der von Giraffatitan ganz schnell zu einem dürren Nichts zusammenschnurrt. Die Breite an der Hüfte im Verhältnis zum 5. Schwanzwirbel, z.B.

So, nun noch ein Bild von weiter weg:

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Hier sieht man toll, was für eine fettarschige Kuh Giraffatitan ist, im Vergleich zum Dircaeosaurus im Vordergrun. ich bin mir nicht sicher, dass der extrem schmale Burstkorb von Dicraeosaurus ohne taphonomische Verformung zustande gekommen ist, aber die Sakra und Ilia (Sitz- und Darmbeine) sprechen eine klare Sprache. Auch hier sieht man, dass bei Dicraeosaurus die Hinterbeine nicht voll hinter dem Rumpf sitzen, und so seitlich daran vorbeischwingen können, ohne allzusehr seitlich ausgestellt werden zu müssen.

Zum Abschluss noch ein perfekt (naja, fast) von vorne aufgenommener Diplodocus, aus der Höhe von etwa den Rabenbeinen von Giraffatitan fotografiert.

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Wildpark Tambach: die nicht-Greifvögel

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In vorherigen Beiträgen habe ich die tolle Flugvorführung der Greifvögel im Wildpark Tambach schon geschildert, und auch die Luchse. Jetzt ist es Zeit, einen Überblick über alles zu geben, was Tambach sonst noch zu bieten hat. Als typischer Wildpark ist das natürlich Cerviden-lastig. Dazu will ich mal mit einem etwas ungewöhnlichen Foto beginnen.

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Schaut fast aus wie zwei komische Ziegen, oder? Sind es aber nicht. Tatsächlich handelt es sich um eine leuzistische und eine melanistische Damkuh (Dama dama). Leuzistisch heißt, dass die Haut keine Zellen besitzt, die Farbstoffe herstellen, während bei einem Albino zwar Zellen da sind, diese aber kein Melanin herstellen. Leuzismus betrifft also alle Farbstoffe, während Albinimus nur Melanin betrifft. Melanismus ist einfach die massive Überproduktion von Melanin, und die Tiere sind somit Schwärzlinge.

Wir kamen kurz vor Mittag im Park an, und gingen als erstes zu der Luchs- und Wolfsfütterung. Der Marsch dorthin führte durch ein großes Hirschgehege, wo Hunde verboten sind (ich fange jetzt gar nicht erst an, etwas über die behämmerten Hundebesitzer zu sagen, die ihren Hund auf unseren Kinderwagen sabbern ließen, – zwei Mal – und das auch noch normal fanden). Wir kamen bald schon zu einer großen Herde Damwild, mit mehreren leuzistischen und einem melanistischen Tier.

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Eine verdächtig helle Damkuh kam sehr nah an uns heran und nach uns aus nächster Nähe in Augenschein. Wie immer fiel mir auf, wie weit die Augäpfel aus dem Schädel vorstehen. Daran muss man denken, wenn man sich ausgestorbene Tiere und ihr Sichtfeld anschaut. Ein paar Millimeter weiter raus, wie viel Unterschied macht das? Ich habe mei meinem geschätzten Kollegen Dave Hone schon öfter darüber debattiert; es ist wohl an der Zeit, Daten zu sammeln und eine Publikation draus zu machen.

Die zweite Herde war dann Rotwild (Cervus elaphus).

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Die Herde machte sich schnell davon (und ich war wieder sehr glücklich mit meinem 300mm Tamron Objektiv), weil sie mehrere Kitze hatten. Die großen Vielender werden in einem separaten Gehege am Fuß des Hügels gehalten. Als wir vorbeiliefen lagen sie alle in eine großen Gruppe zusammen rum, Rothirsche, Damhirsche und Sikahirsche (Cervus nippon). Zwei große Rothirsche taten mir den Gefallen aufzustehen und loszulaufen, so dass ich ganz ordentliche Bilder bekam. Kein Glück hatte ich dagegen mit den Sikahirsche; einen davon kann man auf dem Bild unten sehen, wie er etwas rechts der Mitte im Bild unten Damhirsch zu spielen versucht.

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Was den Wildpark Tambach außer der überraschenden Auswahl an gezeigten Tieren so schön macht sind die Landschaft und Größe. Er ist groß, mit viel offener und waldiger Landschaft, aber nicht so groß, dass man endlos marschieren muss bis die Füße wehtun, um irgendwo hin zu kommen. Es ist hügelig, also abwechslungsreich, und es gibt immer wieder schöne Ausblicke auf das Schloss Tambach. Jede Menge Bänke laden zum Verweilen ein, es gibt genug Mülleimer, die Wege sind gut ausgeschildert – alles im allem ein schönes Ausflugsziel für Familien. Was mir besonders gefiel: sie versuchen nicht dauernd, einem Souvenirs aufzudrängen, oder Fast Food. Es gibt am Eingang eine große Restauration, dazu einen großen Spielplatz (von dem ich die Kinder fast nicht weg bekommen habe), und das war’s! Wunderbar!

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Außer den Hirschgehegen gibt es noch ein riesiges Gelände für ein weniger fluchtbereites Tier, das einem dafür eher mal richtig Ärger macht: Alces alces, der Elch. Das Gehege ist wirklich cool gemacht, mit viel Sumpf, wie es Elche lieben (siehe Foto unten). Infolge dessen bekamen wir keinen Elch zu Gesicht. Daneben steht eine Aussichtsplattform über das Schilf, und es gibt auch einen waldigen Teil im Gehege, aber wir hatten einfach kein Glück. Es war schon früher Abend, als wir bei den Elchen ankamen, und ich denke, die Elche warteten einfach ab, bis dir lärmenden Menschen weg waren, bevor sie aus ihrer Deckung kamen.

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So, genug Hirsche. Die typische Tierbelegung mit Großsäugern in einem mitteleuropäischen Wildpark schließt neben Hirschen das Wildschwein und – in größeren Parks – eine Katze (Wildkatze oder Luchs; Tambach hat beides) und/oder Wölfe (so auch Tambach) ein. Manche haben auch noch Wisente (Bison bonasus), und es überrascht nicht, dass auch Tambach ein großes Gehege für sie hat.

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Im Vergleich zu selbst den größten Hirschen sind diese Rindviecher richtig groß und massig! Americanische Bisons mit ihren großen Köpfen und zotteligen Mähnen an Kopf, Hals und Vorderrumpf und dem im Vergleich dürren Hintern sehen für mich immer ein wenig komisch aus, etwas lächerlich. Ihre europäischen Cousins – nun ja, das sind richtig giftig aussehende Biester! Eine Kuh mit Hirn und kurzer Lunte. Ich erinnere mich an Fotos in einer alten GEO Ausgabe von einem Wisent in Polen, dass ein Wildschwein tötet.

Der Wildpark hält noch eine Rinderart, die besonders gezüchtet wurde, um wie ein Auerochse auszusehen. Bei realistischer Betrachtung muss man feststellen, dass sie jedoch um einiges kleiner ist, und nur eine vage Ähnlichkeit zeigt, wie man sie auch bei anderen, primitiven Züchtungen sieht.

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Und wenn wir von Rinderartigen reden, es gibt noch mehr davon in Tambach.

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Mufflon (Ovis aries orientalis) – und was ein schöner Widder! Jetzt aber zu einem richtig irren Schaf: Das Jakob- oder Mehrhornschaf. Die Biester haben zwei bis sechs(!) Hörner, meist vier.

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Ansonsten gibt es im Wildpark Tambach noch Muntjaks (sorry, kein Bild) und Wildschweine (die brauche ich wahrlich nicht zeigen) – und das ist dann die ganze Liste der Artiodactylen. Bleibt noch, Bilder von der zweiten großen Raubtierart aus Europa zu zeigen:

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Eurasischer Wolf (Canis lupus lupus) – wobei ich mich angesichts der geringen Größe und Schlankheit frage, ob sie vom südöstlichen Rand des Verbreitungsgebiets stammen. Mehr Wolfsbilder gibt’s ein andermal.

Alles in allem ist Tambach immer einen Abstecher wert, falls ihr mal in der Gegend seid. Und nicht nur wegen der Greifvögel!

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Nochmal der Moskito-Kolibri

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Letzten Winter habe ich einen tollen Tag im Tierpark mit meinem Kollegen Dave Hone verbracht, der eine Menge Spaß in der Krokodilhalle brachte. Daves Kamera beschlug auf der Innenseite, während meine wie ein Uhrwerk funktionierte. Summa summarum machte ich ein paar nette Vogelbilder, einschließlich eines Moskito-Kolibris (Chrysolampis mosquitus). Naja, “nette” Bilder ist vielleicht eine Übertreibung, besonders wenn man sich im Vergleich ansieht, was ich heute aufgenommen habe.

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(im besten Südstaaten-Akzent) “Und daaaa saß sie, Ed! Hätte sie mit meiner Hand berühren können, wenn ich nur gewollt hätte!” Der kleine Federknäuel saß einfach still da auf einem nackten Zweig unter dem Baldachin der Krone eines Feigenbaums, kaum einen Meter weg, genau auf Augenhöhe. Gut, die Lichtbedingungen waren alles andere als gut, aber dafür gibt es den Blitz. Besonders wenn das Motiv irisirende Federn hat. Pink-orange-gelb-purpur ist so viel schöner als braun-braun-braun.

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Es drehte sich ständig nach links und rechts, so dass ich eine Menge schöner Bilder der verschiedenen Farben am Kopf machen konnte. I knipste munter drauf los bis……

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ich das Bild aufnahm, wie er davonflog! Schierer Zufall; ich habe nur zufällig genau dann auf den Auslöser gedrückt, als er sich zum abheben entschieden hatte. Der Schnabel und Kopf sind schon aus dem Fokus raus, weil sie sich vorwärts bewegt haben, während der Fuß auf dem Zweig genau scharf ist.

Bringen wir dieses Schaulaufen zum Abschluss mit einen Nahaufnahme des Kopfes:

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Aber es gibt nochwas zu erzählen. Im Krokodilhalle wohnen unter anderem auch Brasil- oder Purpurtangaren (Ramphocelus bresilius). Schöne Vögel, aber der Name ist idiotisch, weil – ach seht selbst: ist das “purpur”?

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Dieser Vogel war schwer beschäftigt. Flog hin und her wie ein Irrer, immerzu drauf aus, einem Weibchen auf das Federkleid zu rücken. Und das hat auch geklappt.

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Vogelporno – ich habe eine ganze Serie von Fotos, aber darum geht es hier nicht. Sondern darum, dass das ganze Hin- und Her-Geflitze das Tangarenmännchen dem Kolibri immer mal quer vor die Nase brachte. Tangaren sind größer als Kolibris, viel größer! Der Kolibri wiegt 3.5 g, die Tangare gute 30 g. Aber – und es tut mir sehr Leid, dass ich das nicht dokumentieren konnte – aber der kleine Kolibri jagte die Tangare kreuz und quer durch die Gegend. Das Tangarenmännchen kurvte hin und her, aber der kleine wütende Flugedelstein hing genau hinter ihm als wäre er angeklebt! Sie flogen ein paar Mal nah an mir vorbei, und es fühlte sich an wie ein mini-Top Gun Luftkampf im Zeitraffer. Ich habe schon eine ganze Reihe Vögel beim Luftkampf gesehen, und was mich hier beeindruckte war, dass ich keinerlei Verzögerung bei den Reaktionen des kleineren Vogel sehen konnte. Normalerweise, selbst wenn ein kleiner einen großen Vogel hetzt, sieht man eine kleine Verzögerung bei den Kurven, überschießt der Verfolger immer mal. Diesmal nicht, die Flugbahnen sahen genau identisch aus (soweit ich das als superlahmes großes Säugetier überhaupt beurteilen kann). Und noch dazu konnte die Tangare nicht mal Raum gewinnen; solange sie im Luftraum des Kolibris war, war sie ständig unter Attacke und konnte nicht mal ein zwei Dezimeter Abstand rausarbeiten.

Mir war durchaus bewusst, dass Kolibris sehr territorial sind. Ich wusste auch, dass sie andere, größere Vögel verjagen. Aber die Kombination von Geschwindigkeit, Ausdauer und Giftigkeit war doch eine ziemliche Überraschung. Theropoden überraschen mich eben immer wieder!

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Die Neuen im Tierpark (doch nicht!)

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Neulich habe ich mich kurz über meine Sicht zur teils recht lächerlichen aktuellen Entwicklung in der Tierpark-Debatte ausgelassen. Wie ich dort erwähnt habe, werden eine ganze Reihe von Punkten, wo es wirklich etwas zu verbessern gibt, obwohl viel von der Kritik ziemlich dumm und ohne jede Grundlage ist.  Aber natürlich dachte ich bei meinem nächsten Besuch ständig an die vielen großen und kleinen Punkte (die meisten eher klein), die sich ändern könnten und sollten.

Und hier kommt so ein Beispiel, eines, dass mir die Gelegenheit gibt, ein paar Fotos eines hübschen theropoden Dinosauriers zu posten.

Ich habe beschrieben, dass es einen großen “leeren” Bereich zwischen dem Schloss Friedrichsfelde und den dahinter liegenden Gehegen und dem nächsten Bereich mit Tiergehegen gibt. Da kommen dann die Weißhand-Gibbons,und unter einer Menge Bäume an Rand der großen Kamel-Wiese sind zwei große Käfige für Papageien versteckt. Felsensittiche und Chinasittiche, genauer gesagt.

Ja ja, ist schon gut, ich werde Bilder von ihnen einstellen. Oder, wisst ihr was, ich poste sie gleich, dann hab ich das weg.

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Felsensittich (Cyanoliseus patagonus).
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Chinasittich (Psittacula derbiana)

Zugegeben, es sind hübsche Papageien! Aber was interessant ist, und viel über den Tierpark aussagt: da war ein Paar Vögel in einem kleinen Gehege zu sehen, ein Gehege, das hinter den beiden Papageienkäfigen regelrecht versteckt lag. Ein Gehege, das man nur gut sehen konnte, wenn man hart an die imaginäre Sperrlinie eines “Kein Zugang für Besucher”- Weges trat. Große Vögel, die man also auch aus dem Augenwinkel gut bemerkt, wenn sie sich bewegen. ABER – da gab es kein Schild!

Ich muss das nochmal wiederholen:

Da waren zwei gut sichtbare (oder sehr schlecht versteckte) große Vögel in einem Gehege, und KEIN SCHILD! Dazu kommt, dass dies nur wahrlich keine “langweiligen” Tiere waren, sondern welche, die die meisten Leuten gleich als “ungewöhnlich” oder “merkwürdig” einstufen dürften. An diesem Tag war der Tierpark sogar recht voll wegen einer Veranstaltung, und ich habe eine ganze Reihe Leute um die Ecken schauen gesehen, auf der Suche nach einem Schild. Hier sind die Vögel also:

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Sattelstorch (Ephippiorhynchus senegalensis)

Ich war ganz stolz auf mich, dass ich sie gleich erkannt habe, obwohl ich noch nie Sattelstörche gesehen hatte. Eine neue Art im Tierpark, noch dazu. Naja, das ist jedenfalls,was ich dachte. Tatsächlich sollte ich nicht stolz sein, sondern mir Sorgen machen um mein Gedächtnis, meine Fähigkeit, mich an Dinge zu erinnern, auf die ich extra Acht gegeben habe. Und hier ist der Grund:
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Dieses Bild habe ich vor ca. einem Jahr gemacht, und der Fokus ist klar der eine Sattelstorch. Er ist in einem recht großen Gehege, mit vielen anderen Arten, aber mir sind die Sattelstörche ganz klar aufgefallen. Also keine neue Art im Tierpark, nur ein kleiner Umzug.

Aber mein schlechtes Gedächtnis ist hier nicht das Thema, sondern dass der Tierpark sich nicht aus der Sicht eines Besuchers sieht. Sattelstörche sind auffällig Vögel, und selbst wenn sie in einem halb-versteckten Gehege sind, einem das streng genommen hinter den Kulissen ist, wenn auch sehr gut sichtbar von einem normalen Zooweg aus – es ist einfach unbedacht, kein Schild hinzustellen. Und dies ist ja nicht der einzige Fall schlechter oder fehlender Beschilderung. Bringt das in Ordnung, Tierpark!

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